Leserbrief

Lehrer zeigen jungen Menschen den Weg ins Leben auf

Mit grösstem Interesse und noch grösserer Anteilnahme habe ich die Artikel von Henriette Hanke-Güttinger und Roland Güttinger gelesen.
Seit 1968, im zarten Alter von 19 Jahren, habe ich mit Computern zu tun. Damals begann ich zur Finanzierung meines Studiums als Programmierer bei IBM. Seither und bis heute haben mich diese eindrücklichen Maschinen durch mein Leben begleitet. Und so mute ich mir zu, beurteilen zu können, wozu man Computer gebrauchen kann und wozu nicht.
Schon seit langer Zeit verfolge ich mit sehr ungutem Gefühl die Reformwut an unseren Schulen. Und nun lerne ich mit blankem Entsetzen, wie man Computer im eigentlichen Lernprozess einzusetzen beginnt, um den Lehrer zu ersetzen. Wie ist eine solche Fehlentwicklung nur möglich? Schon seit langer Zeit lehrt uns die humanistische Psychologie, dass der Mensch in der zwischenmenschlichen Beziehung wird und dass er in der zwischenmenschlichen Beziehung lebt. Der Lernprozess ist im wesentlichen die Interaktion zwischen Lehrer und Schüler, die dem jungen Menschen den Weg ins Leben aufzeigen soll – und gar nichts anderes. Den Lehrer hier durch die binäre Maschine zu ersetzen, das ist ein Witz. Wozu dies? Das frage ich mich. Das darf nicht geschehen! Wir dürfen doch das Wohl unserer Kinder nicht aus dem Auge verlieren, das ist doch das wichtigste.
Mit grösster Freude habe ich deshalb die Artikel von Henriette Hanke-Güttinger und Roland Güttinger gelesen – sehr klar, sehr kompetent, sehr mutig und engagiert. Sie zeigen sehr deutlich auf, worum es in dieser Frage geht. Ich möchte ihnen persönlich und Zeit-Fragen insgesamt dazu gratulieren. Möge sich dieses Engagement positiv auswirken! Es tut gut, in dieser schwierigen Zeit eine solche Stimme zu hören.

Mit bestem Dank und ganz herzlichen Grüssen

Klaus Umbricht, Maur