«Orientierung am Konstruktiven und Positiven»

thk. Wer sich in die Vierteljahrsschrift Eine Welt, herausgegeben von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), vertieft, bekommt einen anderen Blick auf die Welt und im besonderen auch auf die Schweiz. Das Ansprechende an den Artikeln ist, dass der Mensch in seinem Lebensumfeld im Mittelpunkt der Betrachtung steht. Ob es um die Förderung des demokratischen Bewusstseins in Albanien, um die Förderung einer bürgernahen Gemeindeverwaltung in Bangladesch oder die Stärkung des Dezentralisierungsprozesses in Bolivien, verbunden mit einer grösseren Beteiligung der Bevölkerung am politischen Gestaltungsprozess, geht, überall ist die DEZA mit ihrem grossen Erfahrungsschatz aus jahrzehntelanger Arbeit in der Entwicklungshilfe und den jahrhundertelangen eigenen Erfahrungen mit der Entwicklung der Gemeindeautonomie, Föderalismus und direkter Demokratie auf allen Stufen des gesellschaftlichen Zusammenlebens im Einsatz.
Das politische und gesellschaftliche Erfolgsmodell der Schweiz, das dem Land seit Jahrzehnten Frieden und Stabilität beschert hat und seinesgleichen in Europa sucht, steht bei vielen Projekten, die die DEZA im Bereich der «guten Regierungsführung» unterstützt, Pate. Die grosse Erfahrung in diesem Bereich der Entwicklungshilfe, die nicht zuletzt Teil des helvetischen Selbstverständnisses ist, hilft der schweizerischen Entwicklungshilfe, sich ganz auf die Bedürfnisse der zu unterstützenden Menschen und Gemeinwesen einzustellen, und ist somit ein Schlüssel für deren Erfolge. Es geht nicht darum, anderen Staaten und Gesellschaften das filigrane und über Jahrhunderte gewachsene Schweizer System einfach «aufzuschwatzen», sondern die Menschen, aus welchem Kulturkreis sie auch kommen, können das System genau kennenlernen, damit sie selbst das für sich übernehmen können, was zu ihrer Tradition und zu ihrem kulturellen Hintergrund passt. Diese Sorgfalt in der Begegnung mit anderen Menschen und Kulturen zeichnet das mitmenschliche und erfolgreiche Engagement der Schweizer Entwicklungshilfe aus und verdient grosse Achtung und Anerkennung.
Artikel aus der Zeitschrift Eine Welt gehören, gepaart mit der eigenen Überzeugung von der Bedeutung der Entwicklungshilfe, wie sie durch die DEZA ausgefüllt wird, als Beispiel mitmenschlicher Anteilnahme und Solidarität in jede Schulstube. Ob als Geschichtslehrer an einer Mittelschule oder Dozent an einer Hochschule, als Volksschullehrer oder Lehrer für Allgemeinbildenden Unterricht an einer Berufsschule, auf jeder Schulstufe lassen sich Kinder und junge Erwachsene an diese menschlich anspruchsvolle Aufgabe heranführen. So äusserte sich vor kurzem ein Student im Unterricht dahingehend, dass Friedensarbeit doch bei der Bildung, sprich in der Schule, anfange und solange, bezogen auf den Konflikt Israel-Palästina, kein Frieden einkehren könne, solange in den Schulbüchern die Feindbilder geschürt und im Gemüt der jungen Menschen gefestigt werden. Eine Aussage, der wohl niemand widersprechen wird.
 Friedenserziehung und das Empfinden menschlicher Solidarität sollte Bestandteil des Unterrichts sein. Und hier sind wir Pädagogen gefordert. In einer Welt, in der Krieg, Hass und Vernichtung die Schlagzeilen unserer oft unkritischen Presse füllen, braucht es eine Orientierung am Konstruktiven und ­Positiven. Mit seichter Unterhaltung und kurzlebigen «Highlights» werden die jungen Menschen im Stich gelassen, kaum an die Realität herangeführt und nicht für das Positive im Menschen sensibilisiert. Auch wenn der Mensch in die Lage gebracht werden kann, Krieg zu führen, seinen Artgenossen zu töten, überwiegt im alltäglichen Leben das Positive im Menschen. Gerade die Schweiz ist mit ihrer humanitären Tradition und den Menschen, die sie in die Welt hinaustragen, ein Beispiel, was einzelne Persönlichkeiten für den Frieden und für die Menschen auf der Schattenseite des Lebens leisten können. Das sollten die Vorbilder unserer Jugend sein. In allen Ländern dieser Erde gibt es Menschen mit dieser Einstellung. Sich an diesen zu orientieren kann helfen, die Welt etwas menschlicher zu machen.     •