Leserbrief

Von Macron ist nichts zu erwarten

Der Artikel «Sie sind das wahre Gesicht Frankreichs» von Natacha Polony bzw. die Zusammenfassung des Buchs von Gérald Andrieu «Le peuple de la frontière» (Zeit-Fragen Nr. 27/28 vom 7. November 2017) muss jedem, der noch vor 20 Jahren ländliche Teile Frankreichs durchreiste oder dort Ferien verbrachte, einen Stich ins Herz geben. Was ist aus Frankreich geworden? Wie tief liess man die ländliche Bevölkerung Frankreichs fallen! Ich erinnere mich aus der Schulzeit an die Bücher von Marcel Pagnol und anderen französischen Autoren, in denen das Leben in den ländlichen Gebieten beschrieben wird. Für uns Gymnasiasten und Studenten waren das Beschreibungen, die uns dazu verlockten, das ländliche Frankreich mit seinen schlichten Dörfern zu besuchen und dort ferienhalber zu verweilen. Wir übernachteten in kleinen Auberges, genossen es, durch die Gässchen mit den kleinen Handwerksbetrieben, Läden, Bäckereien usw. zu schlendern. Was wir dort in den Dörfern erlebten, war für uns das, was wir unter «savoir vivre» verstanden: einfach, genügsam und trotzdem reichhaltig. Heute ist vieles von diesem Geist verflogen. Die vernichtende Analyse von Natacha Polony macht klar, dass von der aktuellen Regierung Macron nichts zu erwarten ist, was den Dörfern ihre Seele zurückbringt.

David Holzmann