Deutsche Bürger wollen partout keinen Krieg

Sie wollen verbesserte Beziehungen zu Russland

mk. Die Mehrheit der Deutschen will trotz aller Propaganda keinen Krieg.1 Und die Mehrheit der Deutschen – nämlich 58 %2 –will eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland, und dies trotz nahezu stündlicher Propaganda gegen das Land.
Die Friedensliebe der Deutschen ist der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) ein Dorn im Auge. In einem Strategiepapier fordert sie, «dass sich die deutsche Kultur der militärischen Zurückhaltung, die eine Mehrheit der Deutschen für richtig hält, und die französische Kultur autonomer militärischer Aktionsfähigkeit […] einander annähern.»3 Das heisst, die Deutschen sollen dahingehend erzogen werden, dass sie Krieg bejahen.
Mit dem Papier schliesst sich die BAKS, die übrigens direkt dem Bundessicherheitsrat und damit Bundeskanzlerin Merkel untersteht, den Forderungen Macrons nach einer «Europäischen Interventionsinitiative» an, die zum Aufbau einer «Gemeinsamen Interventionsmacht» führen soll.4
Auf allen Kanälen und in allen Sendeformaten wird diese Botschaft nun eingeträufelt. Hier sei stellvertretend für viele auf Äusserungen in der Talk-Sendung Maischberger eingegangen, in der es wesentlich um Russ­land und die Skripal-Affäre ging. Anthony Glees, ein britischer Geheimdienstexperte, echauffierte sich in dieser Talkrunde über den Friedenswillen der Deutschen, der ein «romantisch-idealistisch-pazifistischer Traum» sei und «schwärmerischer Idealismus».Wörtlich sagt er: «Für mich ist es unverständlich, dass deutsche Stimmen sagen, wir wollen den Frieden.»5
Die Russland-Expertin Gabriele Krone-Schmalz konnte darüber nur noch fassungslos den Kopf schütteln. Sie erklärte in dieser Sendung, dass mit dem Aussterben der Generation, die den Krieg noch gekannt hat, das Bewusstsein verloren geht, wie zerbrechlich der Frieden ist.
Für die Bürger, die den Frieden wollen, hat die ganze Diskussion aber auch etwas Ermutigendes: Offensichtlich ist, dass man europaweit oder sogar natoweit über den Friedenswillen der Deutschen nachhaltig irritiert ist. Es ist wohl doch nicht so einfach, gegen ein so grosses Volk Krieg durchzusetzen. Deshalb wird versucht, die Einstellung der Deutschen auf Krieg umzupolen. Das heisst im Umkehrschluss aber auch, dass die Friedenswilligen standhaft bleiben müssen. Ohne ihre Einwilligung kann keine Regierung auf Dauer Krieg führen. Allein ihr Nein zum Krieg wirkt wie eine Bremse. Wenn das Nein unüberhörbar anschwillt, kann es Kriege und damit unermessliches menschliches Leid verhindern.
Das Wort Krieg darf heute
nicht einmal mehr gedacht werden
Beispielhaft sei an dieser Stelle der Kommentar eines Zuschauers zur Sendung Maischberger vom 28. März 2018 zitiert:
«Es ist unverantwortlich, ständig Angst zu schüren! Äusserst bedrohlich wird es, wenn die medialen Attacken gegen Putin auch noch mit der Verlagerung von Waffensystemen der Nato an die baltisch-russische Grenze und nach Polen begleitet werden. Was stellen sich ‹die da oben› eigentlich unter einem Krieg zwischen Russland und der Nato vor? Das Wort ‹Krieg› darf heute nicht einmal mehr gedacht werden! Haben die Deutschen etwa vergessen, was sie dem russischen Volk mit dem Überfall von 1941 angetan haben? Es kann und darf daher heute nur eine Devise gelten: eine unumstössliche Vertrauensbasis mit Russland anstreben und maximale Kooperation auf allen Gebieten zum gemeinsamen Nutzen beider Seiten, Russlands und Europas, in die Tat umsetzen! Zu bezweifeln ist allerdings, dass Aussenminister-Neuling Heiko Maas, der sich gleich zu Anfang brav in die Phalanx der Russlandgegner eingeordnet hat, zu konstruktiver Kooperation auch nur im geringsten gewillt ist. Es fehlt die Generation der ‹Kleinen-Schritte-Macher›: Willy Brandt – Egon Bahr!»    •

1    75 % der Befragten sprechen sich dagegen aus, weitere Soldaten nach Afghanistan zu schicken. 57 % sind grundsätzlich gegen Auslandseinsätze. Vgl. Umfrage im Auftrag des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) vom 30.8.2017
2    Kantar-Emnid-Umfrage für den Focus, zit. nach Contra Magazin vom 28.10.2017
3    Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Arbeitspapier Sicherheitspolitik, Nr. 8/2018
4    ebd.
5    Anthony Glees bei Maischberger am 21.3.2018