Leserbriefe

Meine Erlebnisse als Übungsleiter im Rehasport bei Menschen mit Demenz

Seit nunmehr acht Jahren habe ich Erfahrungen im Präventionssport bei verschiedenen Gruppen mit Skigymnastik, Rückentraining und allgemeiner Fitness mit sehr grosser Freude gesammelt.
Vor ein paar Wochen habe ich neues Terrain betreten, nachdem ich meine Übungsleiter-Lizenz Rehasport Neurologie beim Behinderten- und Rehasport Verband Nord­rhein-Westfalen mit Erfolg erwarb.
Ich ging völlig unbedarft an meine neue Aufgabe heran und merkte, wie ich mich nach einigen Stolperern von Übungsstunde zu Übungsstunde immer besser reingefunden habe. Ich begann zu erkennen, dass auch Menschen mit grösseren Einschränkungen, im Rollstuhl sitzend, für Bewegung, natürlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten, durchaus zu gewinnen sind, indem ich mich ihnen zuwende. Dies erlebte ich bei einer Teilnehmerin, die in der ersten Übungsstunde unbeweglich, starr blickend im Rollstuhl sass, bei der nun plötzlich ein Lächeln über ihr Gesicht huschte und die ihren Fuss zu drehen begann oder ihre Arme hochriss. Ich war ganz angetan von ihrer Aktivität, die ich ihr entlocken konnte. Ähnliches passierte mit einer sonst eher zur Aggression neigenden Teilnehmerin, der ich unter Zuhilfenahme meiner Mimik und Gestik einen Redondo-Ball in die Hände gab, welchen sie dann mir nachahmend mit den Fingern knetete oder anschliessend von einer Hand zur anderen beförderte und dabei lächelte. Mir ging das Herz im wahrsten Sinne des Wortes auf!
Interessant ist für mich zu erleben, wie die etwas fitteren Teilnehmer in der Lage sind, feinmotorische Übungen auszuführen, beispielsweise das Drücken einer Wäscheklammer mit dem Daumen und dann abwechselnd mit allen Fingern.
Ähnliches erfuhr ich auch bei anderen Übungen, die ich zunächst weglassen wollte, da sie sehr viel Geschick erfordern und zu meinem Erstaunen doch von einigen bewältigt wurden. Mein Lob galt dem Erfolg.
Kleine Säckchen oder Bierdeckel in Frisbee-Manier vom Stuhlkreis aus in eine in der Mitte aufgestellte Schüssel zu treffen, war für alle ein Erfolgserlebnis, welches das Selbstwertgefühl der Sportler natürlich um einiges steigerte.
Jede Übungsstunde beginnt und endet mit einem Ritual der spielerischen Art und ist mit Versen unterlegt, welche dann viele schon nach wenigen Trainingseinheiten mitsprechen. Einfach wunderbar!
Ein Herr aus der Gruppe ist immer sehr hilfsbereit und reicht mir am Ende die Trainingsjacke, hilft beim Einsammeln der kleinen Sportgeräte, wie Bierdeckel, Luftballons und Säckchen.
Alles in allem, eine für mich sehr erfüllende Tätigkeit, wie Balsam auf der Seele.
Interessant auch zu erleben, wie breit das Spektrum Sport ist, angefangen vom kommerziellen Profihochleistungssport, ambitioniertem Hobbysport, Breiten-, Präventions-, Gesundheitssport bis hin zum Rehabilita­tionssport für Menschen mit Handicap.
Bei letzterem stehen Sport, Spiel, Spass, Bewegung mit all seinen bio-psycho-sozialen positiven Wirkungen im Vordergrund.

Werner Voss, Wiehl (D)

Vorbeugen ist immer besser als Heilen

Im Zusammenhang mit dem wichtigen Artikel von Rita Brügger [Zeit-Fragen Nr. 7 vom 27.3.2018 (https://www.zeit-fragen.ch/de/editions/2018/no-7-3-avril-2018/demence-lapproche-dune-maladie.html)], der uns ermutigt, mit vermehrtem Wohlwollen und Verständnis die von Demenz betroffenen Personen zu begleiten, möchte ich auf das Buch «Tout savoir pour éviter Alzheimer et Parkinson» (Editions Le Rocher) [Alles Wissenswerte über die Prävention von Alzheimer und Parkinson] des französischen Professors Henri Joyeux hinweisen.
Henri Joyeux ist Honorarprofessor an der Medizinischen Fakultät der Universität Montpellier. Er ist auf Krebserkrankungen spezialisierter Chirurg im Ruhestand und somit weder Neurologe noch Gerontologe noch Psychiater. Seine sorgfältigen Beobachtungen, Studien und Untersuchungen auf Grund vieler nationaler und internationaler Publikationen haben es ihm ermöglicht, Wege zu finden, die Krankheit einschränken oder sogar verhindern zu können. Alzheimer und Parkinson sind kein Schicksal – Vorbeugen ist immer besser als Heilen!
Die Prävention dieser Krankheiten ist von sehr vielen Faktoren abhängig. Da braucht es sehr viel Erfahrung und Verständnis, denn es ist eine Frage der ganzheitlichen Gesundheit und nicht nur der zerebralen.
Ein Buch, das man allen interessierten oder betroffenen Menschen empfehlen kann.

Nicole Duprat, Lehrerin im Ruhestand, Frankreich