Zorn und Verbitterung des Westens über die Erfolge Russlands

Was kommt als nächstes nach dem Putin-Trump-Treffen?

von Brian Cloughley*

Die US-Medien, gefolgt von denen Grossbritanniens und einiger anderer westlicher Länder, sind vor Wut ausgerastet, und die Kriegsanhänger in Washington kreischten ­hysterisch. Ihre Paranoia gegenüber Russ­land, nie weit von der Oberfläche entfernt, ist mit voller Wucht ausgebrochen. Ein weiteres vorhersehbares Ergebnis ist die Eskalation der antirussischen Propaganda­kampagne des Westens, die seit Jahren an Dynamik gewinnt.

«Unglücklicherweise ist die einzige Hinterlassenschaft im Westen eine Irritation darüber, dass die Olympischen Spiele von Sotschi so gut organisiert und so erfolgreich waren. Und es gibt Unmut, ja, Rage über die Wiederholung dieses Erfolgs, als Russland 2018 die Fussballweltmeisterschaft so effizient durchführte.»

Erinnern Sie sich an die Olympischen Winterspiele in Sotschi? Sie fanden 2014 statt und waren, wie der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Thomas Bach feststellte, «ein grosser Erfolg», weil «die Russen für eine reibungslose Organisation sorgten. Sotschi versprach ausgezeichnete Sportstätten, hervorragende olympische Dörfer und tadellose Organisation. Es hielt alles, was es versprochen hatte. Die Athleten selbst lobten jeden Aspekt. Es ist klar, dass Sotschi viel Dauerhaftes hinterliess.»
Unglücklicherweise ist die einzige Hinterlassenschaft im Westen eine Irritation darüber, dass die Olympischen Spiele von Sotschi so gut organisiert und so erfolgreich waren. Und es gibt Unmut, ja, Rage über die Wiederholung dieses Erfolgs, als Russland 2018 die Fussballweltmeisterschaft so effizient durchführte.

Idiotische Medienbeiträge nach erfolgreichen Sportveranstaltungen

Der Westen ist darüber empört, dass der Wettkampf so gut verlief. Ich bin kein Fussballfan, aber ich schaute ein wenig in die BBC-Berichterstattung nach dem Endspiel, als ein Reporter englische Fussballfans interviewte und sie dahin lotsen wollte, etwas Kritisches über Russland zu sagen. Aber sie waren alle grosse Anhänger Russlands und sagten, dass sie ihren Aufenthalt genossen hätten und dass alles perfekt gewesen sei. Wie lästig.
Interessanterweise gibt es keinen BBC-Internetlink zu diesem bestimmten Teil der Berichterstattung, aber ich habe nicht geträumt. Ich träumte auch nicht, dass das BBC-Fernsehen die Abschlusszeremonie ignorierte, obwohl die britische Zeitung «Sun» der Welt mitteilte, dass «diejenigen, die die Abschluss­zeremonie sahen, unbeeindruckt waren, da sie von den Fans als ‹langweilig› beschrieben wurde». Aber natürlich. Wie könnte es anders sein? Sie fand schliesslich in Russland statt.
Das einzige Stück pikanter Gehässigkeit, das die westlichen Medien vor dem erfolgreichen Ende der Fussballweltmeisterschaft packen konnten, war ein kleiner Zwischenfall im Endspiel. Dieser wurde überproportional aufgeblasen. Beispielsweise berichtete der US-Fernsehsender CBS, dass «eine Schar von Spielfeld-Invasoren das Spiel unterbrach, bevor sie schnell behelligt und – nicht so schön – vom Spielfeld geschleppt wurden. Die eigentliche Frage ist, wie in aller Welt kommen diese vielen Leute überhaupt aufs Spielfeld?» (Bei einem Fussballspiel in London im März dieses Jahres «stürmten Hunderte von Fans die Halle», und die Besitzer einer der spielenden Fussballmannschaften «mussten zu ihrer eigenen Sicherheit die Direktoren-Loge verlassen, als das Londoner Stadion ins Chaos stürzte». So kommen die Leute in England aufs Spielfeld.)
Tatsachen verwirren die westlichen Mainstream-Medien oft, und die «Schar», die in das Spielfeld eindrang, bestand nur aus vier Personen, die schnell entfernt wurden. Aber nicht bevor der intellektuelle Mr. Jason Burt, Leitender Fussball-Korrespondent des Londoner «Daily Telegraph», die Welt darüber informierte, dass «Sicherheitskräfte sofort auf den Rasen liefen, um die Eindringlinge zu attackieren und sie alle sehr schnell zu ergreifen. Und es geht zum Gulag für sie. Gut gemacht, Jungs, ihr werdet euer Leben in einem russischen Gefängnis geniessen.»

US-Archipel-Gulag

Es ist diese Art von unverschämtem und völlig idiotischem Kommentar, die die Haltung eines Grossteils des Westens gegenüber Russ­land veranschaulicht. Und es ist schlau und attraktiv im Sinne der Propaganda, markig und schnell und nervenaufreibend zu sein, weil so viele Westler denken, dass sie alles über Gulags wissen.
Wie der Kommentator Garret Epps im März 2018 in The Atlantic feststellte, «prägte der grosse russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn 1973 den Begriff ‹Archipel Gulag›, um das sowjetische System der politischen Gefängnisse und Arbeitslager zu bezeichnen. In den letzten 25 Jahren haben die Vereinigten Staaten ohne grosses Aufheben eine Art Archipel der Zwangs- und Beseitigungsoperationen (Enforcement and Removal Operations) ins Leben gerufen – verschwiegen, locker überwacht und in bezug auf Menschenrechte und Verfassungsrechte zutiefst problematisch. Und das ‹System› wird, wenn die derzeitige Regierung ihre Zwangspläne fortsetzt, von Jahr zu Jahr deutlich grösser werden.» Der US-Archipel-Gulag ist fest etabliert.
Aber in den Köpfen von so vielen in der westlichen Welt, die über Jahre des neuen Kalten Krieges auf so sanfte Art einer Gehirnwäsche unterzogen worden sind, gibt es «Gulags» auf ewig in Russland und Spielfeld­invasoren kommen dort hin.

Der zweite Kalte Krieg floriert

Der zweite Kalte Krieg floriert, da er vom Westen und insbesondere vom Pentagon und einem Grossteil des Kongresses initiiert und gefördert wurde, dessen Mitglieder enorm von Geldspenden der Waffenhersteller profitieren, deren Grosszügigkeit sich in diesem Wahlzyklus bisher auf 19 332 442 Dollar an nachweisbaren Handreichungen beläuft. Das Pentagon soll berechnet haben, dass «die Waffenverkäufe der US-Firmen in Übersee von 2016 bis 2017 um 8,3 Milliarden Dollar gestiegen sind, wobei die amerikanischen Waffenhersteller im vergangenen Jahr insgesamt 41,9 Milliarden Dollar an fortgeschrittenen Waffen an ausländische Militärs verschoben haben». Die Konfrontation zu unterstützen rentiert.
Die Entwicklung des neuen Kalten Krieges wurde im Februar 2018 prägnant von Stephen F. Cohen, emeritierter Professor für Russische Studien und Politik an der New York University und in Princeton, wie folgt beschrieben: «[Präsident] Clinton verfolgte eine Politik, die die Auffassung vertrat, dass Russ­land eine besiegte Macht sei, und die einen massiven Kreuzzug führte, um diesen ehemaligen Rivalen in ‹das von uns gewünschte Russland› zu formen; die die Erweiterung der Nato begann, bis jetzt an die Grenzen Russ­lands; die im Jahr 1999 Moskaus traditionellen slawischen Verbündeten Serbien bombardierte, trotz der Proteste Jelzins. Allerdings steht die extreme Verunglimpfung Putins durch ehemalige Mitglieder der Clinton-Administration, darunter Hillary Clinton, die ihn mit Hitler gleichsetzte, nicht ohne Bezug zu ihrer unklugen Russ­landpolitik der neunziger Jahre – lautstark applaudiert, das sollte hinzugefügt werden, von Medienjournalisten, die auch jetzt an vorderster Front den derzeitigen Kremlführer verteufeln.»

Wer ist der Kriegstreiber?

Die westlichen Medien und der sogenannte «Tiefe Staat» – die Machtclique, die dem militärisch-industriellen Komplex verwandt ist oder ihn sogar ergänzt, auf den Präsident Eisenhower vor fast sechzig Jahren aufmerksam machte – wollen Russland als einen kriegstreiberischen expansionistischen Staat darstellen, aber sie erwähnen nie die Tatsache, dass die USA, gemäss Weltbericht 2018 des Stockholmer International Peace Research Institute (Stockholmer Internationales Friedensforschungsinstitut SIPRI), «2017 mehr für ihr Militär ausgegeben haben (610 Milliarden Dollar) als die nächsten sieben Länder mit den höchsten Ausgaben zusammen … Mit 66,3 Milliarden Dollar waren die Militärausgaben Russlands 2017 um 20 Prozent niedriger als 2016.»

Trump will mit Russland reden

Die «New York Times» fasste die Haltung des Washingtoner Establishment gegenüber den Gesprächen von Putin und Trump am 16. Juli mit der Überschrift zusammen «Trump breitet seine Arme gegenüber Russ­land aus. Seine Regierung schliesst ihre Fäuste». Drei Tage vor dem Treffen verkündete Washingtons beste und klügste Person ganz zufällig, dass zwölf Russen wegen angeblicher Einmischung in die US-Wahlen 2016 angeklagt worden waren. Das Wort «angeblich» wurde von den westlichen Mainstream-Medien selten verwendet, und die Tatsache, dass keinerlei Beweise vorgelegt wurden, um die Vorwürfe zu untermauern, wurde völlig ignoriert. Das automatische Urteil lautet, dass Russland sich jeder Anklage schuldig gemacht hat, so wie in Grossbritannien die Schuld für einen Vergiftungsfall direkt vor die Tür Russlands gelegt wurde, ohne den geringsten Beweis, dass Russland beteiligt war.
Machen Sie keinen Fehler: Trump ist der schlechteste Präsident, den die USA je hatten. Er ist, in den wohlüberlegten Worten des Kommentators Robert Reich, ein «egoistischer, dünnhäutiger, launischer, lügnerischer, narzisstischer, prahlender Grössenwahnsinniger». Aber – er will mit Russland reden und verhandeln, anstatt sich einer unendlichen Konfrontation hinzugeben.
Trump hat seit langem Interesse an einer Verbesserung der Beziehungen zu Russland bekundet, und der jüngste Gipfel war seine erste wirkliche Gelegenheit, dies zu tun. Dennoch wird es schwierig sein, dass diese Entwicklung von Dauer ist, wenn so viele im Establishment sich zusammentun, um sie zu untergraben. Der Zorn und die Verbitterung des Tiefen Staates werden nicht nachlassen, und seine Propagandakampagnen werden den zweiten Kalten Krieg weiter anheizen.    •

* Brian Cloughley ist britischer und australischer Armeeveteran. Er war stellvertretender Leiter der Uno-Militärmissionen in Kaschmir und australischer Militärattaché in Pakistan.

Quelle: https://www.strategic-culture.org vom 19.7.2018
(Übersetzung Zeit-Fragen)