Kunst, die mitten ins menschliche Leben führt

Rückblick auf 60 Jahre Wirken von Theo Dannecker

von Dr. Peter Küpfer

Der Zürcher Künstler Theo Dannecker legt eine umfassende Werkdokumentation in drei Bänden vor: gleichzeitig Kunstbiographie, Zeitzeugnis und Kunstwerk.
In dem prächtig ausgestatteten Werk setzt sich der Künstler unermüdlich mit den Fragen auseinander: Was ist der Mensch? Wer bin ich? In welcher Welt leben wir? Und was ist mein Beitrag als Mitmensch und als Künstler, sie menschlicher zu gestalten? Die eindrückliche Synthese zwischen Biogra phie, Zeitgenossenschaft und Kunst ist in sich selbst wieder ein Kunstwerk.

Sich in Ruhe auseinandersetzen. Theo Dannecker im Gespräch mit Ausstellungsbesuchern. (Bild pk)

Das nun vorliegende Werk dokumentiert, Seite für Seite, die Entwicklung des Künstlers und seines immer bewegenden Werks. Es dokumentiert gleichzeitig sein persönliches Werden, als Zeitgenosse und als Künstler, und seine dauernde Auseinandersetzung mit unserer leider höchst zerrissenen Welt. Was sie zusammenhält, so die unabweisbare Botschaft des Künstlers Theo Dannecker, ist der Mensch selbst: das Menschliche in ihm. Dessen Spuren und Manifestationen, gleichzeitig der unerschütterliche Glaube des Künstlers, dass es sich letztlich auch in der Menschheitsfrage nach Krieg und Frieden durchsetzen wird, auch sein Wissen darum, sind in den drei mit grosser Sorgfalt gestalteten Bänden Seite für Seite greifbar.

Berührende Vernissage – Werkschau zog viele Menschen an

Dicht drängten sich an jenem Donnerstagabend, dem 4. Oktober 2018, an der Vernissage die Menschen in den ehemaligen Schulraum des Schulhauses Brugg, heute Kulturzentrum, wo das Kunstbuch von Theo Dannecker vorgestellt wurde. Der Künstler hat in eben diesem Gebäude seine ersten Schuljahre verbracht. Alt Stadtpräsident Harald Huber sagte in seiner Eröffnungsrede, es sei für Adliswil nicht die erste Ausstellung «ihres» Theo Dannecker, aber eine grosse Ehre, dass der Künstler nun auch zur Präsentation seines Werkbuchs Adliswil gewählt habe. Es sei Ausdruck der Verbindung des Künstlers mit der Gemeinde, der er entstamme. Die Präsentation des dreibändigen Werks übernahm Kunsthistorikerin Frau Dr. Vera Ziroff Gut, die das Werk des Zürcher Künstlers seit Jahren mitverfolgt und kommentiert. Mit dem Überblick über die Dokumentation vermittelte sie gleichzeitig an Hand ausgewählter Beispiele wichtige Stationen des eindrücklichen künstlerischen Werdegangs von Theo Dannecker, die Entwicklung seiner Kunst.
Die Vernissage des Buches war verbunden mit der Ausstellung zentraler Werke des Künstlers. Nach der Präsentation und Würdigung des Buches konnte die Zuhörerschaft sich in den Räumen der benachbarten Galerie Kunst Süd unter einer Auswahl prägender Werke von Theo Dannecker ergehen, soweit das der Strom der interessierten Besucher erlaubte. Viele holten einen weniger gedrängten Besuch in den nächsten Tagen nach und hatten dort Gelegenheit, den Künstler persönlich zu treffen und sich mit ihm ins Gespräch über seine Kunst zu begeben. Sie führte auch dort sofort mitten ins menschliche Leben, seine Bedrohungen und das, was es reich macht.
Die Vernissage des Buches und die Adliswiler Werkschau ermöglichten es Nahestehenden und Kunstfreunden, den Künstler ganz aus der Nähe zu erleben, für viele sichtlich eine auch menschlich bewegende Wiederbegegnung. Unter den Besuchern waren viele, die den Künstler auch als Kunstlehrer in seiner Malschule im Herzen von Zürich erlebt hatten; sie hat ganze Generationen von Kunstfreunden «erzeugt». Unter den vielen Besuchern der Ausstellung – das zeigt das dicht mit würdigenden Eintragungen versehene Besucherbuch – war auch Fritz Billeter, der den damals noch wenig bekannten jungen Zürcher Künstler «entdeckt» und als eigenständige Persönlichkeit erkannt hatte.    •