«Krieg und Frieden in den Medien»

von Rainer Schopf

Unter diesem Titel fand vom 26.–28. Januar 2018 in Kassel eine Konferenz über Krieg und Frieden in den Medien statt, veranstaltet von der International Association of Law-yers against Nuclear Arms (IALANA), deren Motto lautet: Frieden durch Recht. Unterstützt wurde der Veranstalter von fünf weiteren Organisationen aus der deutschen Friedensbewegung.

Mit 350 Teilnehmern war die Konferenz erfreulicherweise überbucht. Die meisten Gäste gehörten der Generation 65+ an, also ältere Friedensfreunde aus der Stunde Null direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die mittlere Generation fehlte fast völlig. Etwa 100 Gäste der jungen Generation um 25 Jahre nahmen teil, der jüngste Gast, ein Säugling, machte wiederholt zur Freude aller Teilnehmer auf sich aufmerksam.

Daraus kann geschlossen werden: Die Friedensbewegung in Deutschland lebt.

Viele der jungen Menschen gehörten der Jugendkulturkirche Kassel an, dem Ort, an dem die Konferenz tagte. Zum Ziel der Tagung schrieb IALANA: «Medienkritik gibt es seit langem. Mit der Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt hat sie drastisch zugenommen. Vor allem in den alternativen Medien finden sich immer interessantere und tiefergehende Untersuchungen. Dazu kommt das Kabarett. Gutes Kabarett war schon immer politisch. Aber Max Uthoff und Claus von Wagner haben mit ihrer ‹Anstalt› Friedenskabarett erfunden; eine neue Form von politischer Pädagogik. Das will die Tagung präsentieren. Aber vor allem sollen medienkritische Wissenschaftler und Journalisten zu Wort kommen.»

Diesen Anspruch hat die Tagung vollumfänglich erfüllt. 25 Referenten gaben in ihren kurzen Impulsreferaten Antworten auf folgende Fragen: Krieg in den Medien: Wie wird berichtet, warum wird so berichtet? Woher kommen die Impulse der Medien? Wie gehen wir mit Propaganda um? Welche Optionen haben Mediennutzer?

Einige Schwerpunkte der Tagung seien kurz genannt, zum Beispiel das Kabarett «Die Anstalt». Max Uthoff stand Rede und Antwort zu den Verstrickungen deutscher Medien. Sehr eindrücklich schilderte er seine Begegnung mit Argyris Sfountouris in einer Sendung über die Greuel der Nazis in Griechenland, die dieser als Kind in seinem griechischen Dorf überlebt hat und für die Deutschland bis heute jede Wiedergutmachung ablehnt. Gabriele Krone-Schmalz berichtete in exzellenter Weise über die Konfrontationspolitik gegen Russland in den Medien. Dabei widmete sie sich ausführlich dem Ukraine-Konflikt und der Krim. Markus Fiedler, Lehrer aus Oldenburg, zeigte die dunkle Seite der Plattform Wikipedia beeindruckend auf. Seine Filme sind auf KenFM zu sehen. Darin untersucht er die Medienkampagne gegen Daniele Ganser, der nach der Veröffentlichung seines Buches «Illegale Kriege» in den Medien gebrandmarkt wurde. Kurt Gritsch berichtete über die gesteuerte Debatte des Kosovo-Krieges, insbesondere über die verwerfliche Rolle der rot-grünen Koalition unter Schröder/Fischer, ohne die dieser Krieg nicht möglich gewesen wäre. Dabei wurde wiederholt hervorgehoben, dass Krieg in den Medien zunehmend nicht mehr als Krieg benannt, sondern euphemistisch als humanitäre Intervention deklariert wird. Und natürlich: Konstantin Wecker. Er gab zum krönenden Abschluss ein wunderbares Konzert zum Thema Frieden, dem er sich als Aktivist schon lange verpflichtet fühlt.

Das erste Video der Konferenz ist auf www.ialana.de bereits ins Netz gestellt. Die weiteren Beiträge sollen folgen. Alle Referate werden später auch schriftlich zugänglich sein – in Buchform von IALANA veröffentlicht.            •