Leserbrief

Thema Uran-Munition – nicht mehr tabu

Was nicht mehr zu leugnen ist, findet allmählich den Weg in die Presse und die allgemeine Öffentlichkeit. 20 Jahre nach dem Krieg gegen Jugoslawien ist die Bevölkerung Serbiens und des Kosovo mit einer sehr unangenehmen Wahrheit konfrontiert. Steigende Krebsraten vor allem in Südserbien, aber auch im Gebiet um Novi Sad und in Belgrad, ebenso im Kosovo, speziell Prizren, zeugen von einer im Krieg eingesetzten Waffenart, deren Letalität mit dem Krieg nicht endet. André Gsponer, der leider früh verstorbene Schweizer Physiker, publizierte im Jahr 2002 einen Vergleich zwischen uranhaltiger Munition und Nuklearwaffen der vierten Generation. Seine Hypothese ist, dass mit dem Einsatz dieser radioaktiv toxischen Munition die Menschheit an nuklear verseuchte Kriegsschauplätze gewöhnt werden sollte. Diese Hypothese ist nicht abwegig, haben wir es doch im Irak, in Afghanistan, im Jemen usw. mit sehr ähnlichen, wenn nicht gleichen Krankheitsbildern zu tun, die sich schon sehr bald nach den ersten Bombardierungen zeigten: zum Beispiel multiple Krebse, die den Onkologen bis dahin kaum bekannt waren. Die Unfruchtbarkeit der Frauen nahm auch dort stark zu, die jungen Ehepaare sehen sich mit unabwendbarer Kinderlosigkeit konfrontiert. Eine Tragödie. Die italienische Regierung hatte schon vor geraumer Zeit die zum Beispiel an Leukämien erkrankten Soldaten, die im Kosovo im Einsatz waren, mit einer Entschädigung bedacht. Heute will die italienische Regierung den in Serbien erkrankten Menschen beistehen bei einer Klage auf Entschädigung gegen die beteiligten Nato-Staaten.
Die Schweiz hat viele Emigranten aus Serbien und dem Kosovo aufgenommen. Sie alle wussten um die Problematik, viele von ihnen haben Anverwandte verloren und werden sie weiterhin verlieren. Das Reden über die Zusammenhänge war jedoch tabu – in letzter Zeit wurde es aufgebrochen. Das Buch von Frieder Wagner und die Rezension von Dr. Hunziker sind dazu ein wertvoller Beitrag. Der Weg zur echten und umfassenden Hilfeleistung wird damit frei.

Dr. phil. Barbara Hug