Klimawandel – nicht diese Panik!

von Dr. Ing. Christian Fischer

Die Abkehr von fossilen Energieträgern hin zu regenerativen wird im deutschsprachigen Raum seit vielen Jahren politisch gewollt und praktiziert. Wir tun also was. Trotzdem erleben wir seit einiger Zeit politische Bewegungen wie «Fridays for future» oder neuerdings «Extinction rebellion», die einen bevorstehenden Weltuntergang an die Wand malen, der es fast sinnlos mache, in die Schule zu gehen, da es für die heutige Jugend ohne radikale Umkehr eh’ keine Zukunft gebe. Basis für diese Kampagnen sind seit langem verbreitete Erkenntnisse und Informationen, aber auch Irrtümer und Polemiken, die ursprünglich von der grünen politischen Richtung eingespeist wurden, inzwischen aber von den meisten politischen Lagern, unterschiedlich gewichtet, als Konsens verstanden werden. Dieser Artikel versucht ein wenig, die Spreu vom Weizen, die Erkenntnisse von den offenen Fragen zu trennen, damit die Panikattacken durch verstärktes Nachdenken ersetzt werden können.

11 000 Jahre vor heute: Abweichung von 15-Grad-Mitteltemperatur. (Quelle der Graphik siehe Fussnote 2)

Kohlendioxyd CO2 ist ein «Treibhausgas» – so wie es auch andere Treibhausgase gibt, Methan CH4, Lachgas N2O, Schwefelhexafluorid SF6, Wasserdampf H2O. Unsere Erde verdankt ihnen das Leben, denn ohne diese Gase in der Atmosphäre herrschte eine globale Durchschnittstemperatur von – 18 statt heute von + 15 Grad Celsius. CO2 gilt nach dem Wasserdampf als das wichtigste temperaturwirksame Gas und – neben CH4 – als das einzige, das vom Menschen nennenswert beeinflusst werden kann. Wie das «Treibhaus» physikalisch funktioniert, beschreibt zum Beispiel Dr. Ernst Pauli anschaulich in seinem Beitrag «Hintergründe zum Problem der globalen Erwärmung».1 Natürlich ist unsere Atmosphäre kein geschlossenes «Treibhaus»; das ist nur ein Analogie-Bild, das nicht zu wörtlich genommen werden darf. Es ist nicht die Frage, ob diese Gase einen wärmenden Beitrag leisten, sondern: welchen Beitrag? Und welcher Teil davon ist anthropogen (= menschengemacht), also beeinflussbar? Welche anderen Einflüsse auf die Temperaturentwicklung mit welchen Beiträgen gibt es? Und: Wie genau sind unsere Kenntnisse darüber, woher sie stammen? Diese Fragen werden hier nicht umfassend beantwortet, aber sie sollen erörtert werden, um die Debatte zu versachlichen.

Woher haben wir unsere Erkenntnisse? Wie sicher sind sie?

Die Datenlage zu Temperaturen und Gasanteilen in der Atmosphäre ist für die verschiedenen Epochen sehr unterschiedlich. Seit etwa 70 Jahren gibt es rundum auf dem Globus Messstationen, die uns so umfangreiche und genaue Daten über die Gegenwart liefern, wie wir sie für keine andere Epoche der Erdgeschichte haben. Einfachere Temperaturmessungen reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Davor haben wir ausser historischen Berichten, Gemälden u. a. Dokumenten vor allem die Baumringe, die uns Aussagen über Temperaturschwankungen geben, lückenlos bis vor etwa 12 000 Jahren. Für die letzte halbe Million Jahre stützen wir uns auf Eisbohrkerne, in denen die Luftzusammensetzung vergangener Zeiten gespeichert ist, für noch weiter entfernte Zeiten auch auf geologische Schichtungen. Im Artikel «Hintergründe zum Problem der globalen Erwärmung» von Dr. Pauli sind diese Datenquellen etwas ausführlicher beschrieben.
Bei den Daten über die früheren Zeiten muss man in Betracht ziehen, dass sie nicht mit der Genauigkeit heutiger Daten vergleichbar sind. Sie können im Fall der Eisbohrkerne Verunreinigungen aufweisen; sie erlauben immer nur Aussagen innerhalb bestimmter Bandbreiten, und sie bilden vor allem nicht ein so weltumspannendes Netz wie die heutigen Daten. In Äquatornähe lassen sich nun mal keine Eisbohrkerne entnehmen … Wer behauptet, mit Sicherheit habe es noch nie einen so steilen Temperaturanstieg gegeben wie heute oder noch nie einen solchen CO2-Gehalt in der Luft, verdient deshalb grundsätzlich unser Misstrauen.
Tatsächlich wissen wir trotz der geforderten Vorsicht bei der Verwendung älterer Daten, dass es vor allem am Ende der Eiszeiten deutlich steilere Temperatursprünge gegeben hat als heute. Am Ende zum Beispiel der letzten Eiszeit vor 12 000 Jahren hat es einen Temperaturanstieg gegeben, der auf 10 Grad in einem Jahrhundert geschätzt wird.2 Selbst wenn es (Datenunsicherheit !) zwei Jahrhunderte gewesen wären: Gegen diesen «Hockeystick»-Temperaturanstieg zeigt unsere Gegenwart allenfalls die Grössenordnung eines Suppenkellen-Anstiegs.

CO2 und Temperatur – Korrelation? Kausalität?

Nach verschiedenen Quellen ist der Zusammenhang von CO2-Anstieg und folgendem Temperaturanstieg nicht so eindeutig, wie es der Klima-Mainstream behauptet. Die Kurven sind zwar in der grossen Linie, aber nicht im Detail parallel und linear. Um die «politisch korrekte» Linearität darzustellen, wurden schon Statistiken verändert, um der Öffentlichkeit das «richtige» Bild zu beweisen.3 So stieg der CO2-Anteil in der Atmosphäre seit 1950 bis heute zwar sehr linear, die Temperaturen bewegten sich aber in grösseren Sprüngen auf und ab. Also muss es (auch) andere Einflüsse geben. Es gibt ferner Beobachtungen über lange Zeiträume, dass der CO2-Anstieg auf längere Sicht dem Temperaturanstieg folgt, nicht ihm vorausgeht! Dabei wird eine Verzögerung von mehreren hundert Jahren beobachtet,4 was unter anderem mit der Speicherfähigkeit der Weltmeere in Zusammenhang gebracht wird: Kühleres Wasser nimmt CO2 auf, wärmeres gibt es wieder ab. Die Temperatur-Trägheit der Meere mag bewirken, dass sich langsam erwärmende Meere erst nach einigen 100 Jahren vorher gespeichertes CO2 abgeben. Die Ursache der Erwärmung kann unter diesem Aspekt gerade nicht mit dem CO2 erklärt werden. Zurzeit nehmen die Meere noch CO2 auf, sind also noch kühl genug! Diese Zusammenhänge sind noch nicht abschliessend verstanden, aber zumindest bestehen Zweifel, in welchem Mass ein CO2-Anstieg den Temperaturanstieg bewirkt – oder ihm (auch?) folgt!
Gerne werden die letzten 140 Jahre zitiert, in denen CO2 und Temperatur rapide gestiegen seien. In dieser Zeit ist das CO2 tatsächlich gestiegen, und zwar kontinuierlich. Die Temperatur ist gleichzeitig nur im grossen Durchschnitt um 1,5 Grad, im Verlauf aber sehr diskontinuierlich gestiegen.3 Und: 1883 gab es einen immensen Vulkanausbruch in Indonesien (Krakatau), der zu einem globalen Temperatursturz führte. Das ist also ein schöner Ausgangspunkt, wenn man einen steilen Anstieg beweisen will – ohne die Ursachen zu benennen! Tatsächlich ist vom ganz gewiss noch «vorindustriellen» 12. Jahrhundert bis heute die Temperatur fast gar nicht gestiegen.

Andere Ursachen?

Der CO2-Gehalt in der Atmosphäre ist nach übereinstimmenden Meinungen von 0,028 % in vorindustrieller Zeit auf heute etwas über 0,04 % gestiegen; davon sind nach verschiedenen Einschätzungen etwa 1–4 % anthro­pogen (vom Menschen verursacht). Wir wissen also, dass etwa jedes 200 000ste bis maximal 50 000ste Luftmolekül ein menschenverursachtes CO2-Molekül ist. Dies nur zur Grössenordnung, über die wir reden bzw. meistens leider nicht reden.
Klaus-Eckart Puls5 teilt mit, in den Basisdokumenten des Weltklimarates (IPCC) bestehe wissenschaftliche Einigkeit, dass die wärmende Wirkung der CO2-Moleküle keine konstante Eigenschaft sei, sondern mit der Menge der Moleküle in der Atmosphäre abnehme. Eine weitgehende «Sättigung» sei bereits ab 200 ppm gegeben, danach nehme der langwellige Strahlungseffekt, also die wärmende Wirkung, rapide ab. Diese Wirkung sei bei der heutigen Konzentration daher kaum eine andere als bei der vorindustriellen Konzentration. Gemäss einer anderen Quelle6 wird das im Grundsatz bestätigt, allerdings etwas relativiert. Ob oder wie diese Erkenntnisse in Simulationsrechnungen berücksichtigt sind, wissen wir allerdings nicht.
Jedenfalls musste das IPCC zur Erklärung der aktuellen Klimaschädlichkeit von CO2 noch einen anderen Faktor suchen und fand ihn im Wasserdampf. Wenn der steigt, funktioniert – gemäss Laborversuchen und Simulationsmodellen – die Strahlungswirkung der CO2-Moleküle auch bei höherer Konzentration. Nur: Der «notwendige» Wasserdampfanstieg in der Atmosphäre findet «leider» nicht statt. Das belegten umfangreiche weltweite Messdaten, die in IPCC-Dokumenten selbst und auch in Unterlagen der Max-Planck-Institute nachzulesen seien.5 Dieser Mangel taucht allerdings nicht in den politischen Empfehlungen des IPCC auf. Trotzdem fehlt damit der These eines weiteren Temperaturanstiegs bei weiterem CO2-Anstieg ein wichtiges (aber verschwiegenes) Argument.
Andere Forscher weisen für die Temperaturentwicklung auf den Einfluss der Sonne hin, die keineswegs eine konstante Grösse darstellt. Es gibt nicht nur den weithin bekannten Sonnenfleckenzyklus von elf Jahren, der zu mehr oder weniger regelmässigen Wetterschwankungen führt. Es gibt auch grössere Zyklen, die in Jahrhunderten und Jahrtausenden zu messen sind.7 Grund dafür sind langfristige «regelmässige Unregelmässigkeiten» des Erdumlaufs um die Sonne; dies sind die von Dr. Pauli zitierten Milankovitch-Zyklen. Sie erklären zum Teil die Eiszeiten, von denen es in der letzten Million Jahre ein gutes halbes Dutzend gab, jeweils mit Warmzeiten dazwischen.
Dabei ging die Sonnenaktivität jeweils dem Temperatur- und CO2-Anstieg voraus. Diese astronomischen Einflüsse haben stärkere Wirkungen als die atmosphärischen Molekülzusammensetzungen im Promille-Bereich. Wer aber heute auf die Sonne und ihre Schwankungen im Zusammenhang mit der Klimadebatte hinweist, sieht sich in der wissenschaftlichen Welt rasch diskriminiert.8
Tatsächlich muss man also feststellen, dass die allmählich steigende CO2-Kurve im letzten Jahrhundert nicht die ganze und vielleicht nicht einmal die wichtigste Erklärung für den relativ moderaten Temperaturanstieg der letzten 100 Jahre sein kann. Sicher ist nur: Das Zusammenwirken von Treibhausgasen (nicht nur CO2), Wolkenbildungen, Speicherkapazitäten der Meere, Sonneneinflüssen usw. ist heute noch nicht ausreichend verstanden.

Propagandistische «fake news»

Die Klimawarner, die in Gestalt der Exponentin Greta Thunberg ausdrücklich mehr Panik verlangen, erzählen uns andere Geschichten. Auf der Homepage von Greenpeace liest man zum Beispiel wörtlich: «Über Jahrmillionen war das Klima der Erde im Gleichgewicht. Nun droht es durch den Eingriff des Menschen zu kippen.»9 Aha. Greenpeace befindet sich hier wohl auf einem vorindustriellen Kenntnisstand, als man noch an eine als unveränderlich erschaffene Welt glaubte. Wissen diese Aktivisten nicht, dass es im Verlauf der letzten Million Jahre mehrfach kilometerdicke Gletscher und zwischendurch auch mal wärmere Zeiten als heute gab, zum Beispiel in Hamburg, wo Greenpeace seinen Sitz hat? Wenn das ein «Klimagleichgewicht» war, dann sind die derzeitigen Schwankungen nicht einmal mit dem Mikroskop zu erkennen. Hier zeigen sich die wahren Leugner des Klimawandels, nämlich eines Klimawandels, der schon immer menschenunabhängig stattgefunden hat.
Diese öffentlich verbreitete Dummheit ist bei denen, die den Klimanotstand ausrufen, leider eine Art Allgemein«wissen»: Die stabile Natur wird vom Menschen gestört – das ist der allgegenwärtige Refrain. Tatsächlich ist das nicht nur Unwissen, sondern aktive Ignoranz. Bedenkenträger gegen diese «politisch korrekte» Ansage werden konsequent landauf landab gemobbt und diskriminiert.
Aber warum? Ohne dies weiter zu vertiefen, nur so viel: Die Forderung nach einer Politik gegen den Klimanotstand ist naturgemäss ein grenzüberschreitendes Thema. Mass­nahmen können nicht national beschränkt bleiben, sondern müssten mindestens kontinental, wenn nicht global entwickelt werden. Das erfordert zentrale politische Befugnisse, die möglichst keine Rücksicht auf nationale Grenzen und Souveränitäten nehmen dürfen. Ist es ein Zufall, dass dieselben CO2-Protagonisten auch auf anderer politischer Ebene genau dieses Programm betreiben? Man muss nicht unbedingt einen Rudolf Bahro bemühen, der schon vor 40 Jahren – als der CO2-Notstand noch nicht auf der Tagesordnung stand – einen grünen Diktator gefordert hat. Es genügt, den heutigen politischen Mainstream anzuschauen, angeführt von Grünen und Linken, aber inzwischen gefolgt von den meisten politischen Lagern, um die Parallelen vor Augen zu haben. Die Auflösung nationaler Souveränitäten hin zum Aufbau einer alles andere als demokratisch organisierten EU10 gilt heute ebenso als alternativlose Selbstverständlichkeit wie die CO2-Propaganda. Auch die Gegner des Zentralisierungs-Mainstreams werden allerorten diskriminiert, meist mit denselben Parolen. Die Faschismus-Keule liegt immer griffbereit.
Die EU-Zentralisierungs-Politik hat ganz gewiss andere Ziele, als ehrliche Klimaschützer es sich wünschen mögen; aber die «populistische»(?!) Parole «Weg mit den Grenzen» schafft einen breiten Konsens vor allem unter weiten Teilen der Jugend. Es wird ein «Narrativ» lanciert, mit dem man sich identifizieren kann, wenn man «etwas tun» will (bzw. von anderen fordert, etwas zu tun). Und man bemerkt kaum, welchen antidemokratischen Tendenzen man damit den Weg bereitet. Denn gleichzeitig wurde auch die politische, geografische und historische Bildung in den Schulen massiv heruntergefahren oder durch Projekt-Kampagnen ersetzt. Auch das gehört zum Thema.

Aus der Graphik wird erkennbar, dass die allmählich steigende CO2-Kurve im letzten Jahrhundert nicht die ganze und vielleicht nicht einmal die wichtigste Erklärung für den relativ moderaten Temperaturanstieg der letzten 100 Jahre sein kann. Sicher ist nur: Das Zusammenwirken von Treibhausgasen (nicht nur CO2), Wolkenbildungen, Speicherkapazitäten der Meere, Sonneneinflüssen usw. ist heute noch nicht ausreichend verstanden. (Graphik wikipedia)

Echte Probleme

Klimawandel ist eine Eigenschaft unseres Planeten, der schon ganz andere Kapriolen geliefert hat als das, was wir seit dem 19. Jahrhundert erleben. Der CO2-Ausstoss durch den Menschen mag einen Beitrag zu einer messbaren Erwärmung in dieser Zeit geleistet haben. Die Grösse dieses Beitrags kann niemand seriös beziffern: Dazu müssten zwei Planeten unter sonst gleichen Bedingungen mit und ohne diesen anthropogenen Beitrag beobachtet werden können – unmöglich. Alle Aussagen beruhen auf Simulationsmodellen, deren Eingangsgrössen und Algorithmen ein normaler Bürger nicht kennt, die aber auch von politischen Interessen geprägt sind.7a Viel spricht dafür, dass der derzeitige Temperaturanstieg weder so dramatisch, wie behauptet, noch allein menschengemacht ist. Dazu sind zu viele Ungereimtheiten und Widersprüche in den verfügbaren Quellen enthalten; und es sind bewusste Auslassungen, selektive Wahrnehmungen erforderlich, um die steilen Thesen der derzeitigen Propaganda aufrechtzuerhalten.
Natürlich spricht nichts dagegen, CO2 einzusparen und dies auch politisch zu unterstützen – solange das Wirtschaftsleben dadurch nicht massiv gestört wird. Der Autor dieser Zeilen hat sein Berufsleben mit Beratungen für energiesparendes Bauen verbracht und wurde zu diesem Thema promoviert.11 Es spricht aber sehr viel dagegen, den anthro­pogenen Klimawandel mit Hilfe eines Weltuntergangsszenarios zum alles bestimmenden politischen Thema zu machen. Viel wichtiger wäre es, die globalen Vorgänge besser verstehen zu lernen, um die immer weiterwachsende Zahl von Menschen auf der Erde vor den Folgen der auch unabhängig vom Menschen stattfindenden Klimaänderungen zu schützen. Wir müssen nicht das Klima schützen, sondern uns vor ihm. Natürlich müssen wir auch die Naturzerstörung und -vermüllung reduzieren – aber das sollten wir nicht mit dem Klimawandel in einen Topf werfen, was leider oft getan wird.
Schon heute ist es klar, dass nicht alle dem anthropogenen Klimawandel angelasteten Erscheinungen diesem anzulasten sind: Zum Beispiel der Anstieg der Meere. Ja, der Meeresspiegel steigt. Genaue Messmethoden dafür hat man seit 30 Jahren und hat seitdem einen Anstieg um 8 cm festgestellt, global verschieden verteilt.12 Wasser dehnt sich aus, wenn es wärmer wird und Schmelzwasser von landgebundenen Gletschern kommt dazu. Aber manche Südseeatolle werden geflutet, nicht weil der Meeresspiegel steigt, sondern weil sich eine Kontinentalplatte unter eine andere schiebt und die Inseln absinken. Oder: In Millionenstädten in Küstennähe sanken vor allem durch intensive Bebauung der Grundwasserspiegel und der Boden selbst ab, im 20. Jahrhundert zum Beispiel in Jakarta und Bangkok um 1–2 Meter, in New Orleans um 4 Meter.13 Das sind wichtige Probleme, aber eben andere. Der Blick darauf wird verstellt, wenn man alles auf einen anthropogenen Klimanotstand einengt.
Es gibt keinen Planeten Erde, der stabil ist und nur vom Menschen verändert wird. Dieses Bild steht aber unausgesprochen zwischen den Zeilen der Panikmache. Dieses Bild ist nicht nur falsch, sondern auch ziemlich überheblich, sozusagen anthropo-arrogant: Die aussermenschliche Natur wird wie eine Heilige auf einen Sockel gestellt, den der Mensch angeblich zertrümmert; Natur wird nicht als komplexer und notwendiger Teil unserer Aktivität und unseres Lebens verstanden, woran wir uns auf Grund deren eigenen Gesetzmässigkeiten anpassen müssen. Von hier führt ein kurzer und undifferenzierter Weg zu einem apokalyptischen Pessimismus, der zum Beispiel generell die Überbevölkerung beklagt14 und rasch in einer esoterisch angehauchten Tiefenökologie landet.15 Der Weg müsste aber zu einer vorurteilsfreien und präzisen Forschung führen, die dort Handlungsstrategien und politische Vereinbarungen entwickelt, wo wir Ursachen sicher bestimmen und Folgen unseres Handelns ausreichend sicher abschätzen können. Technischer Fortschritt sollte dabei mehr gefragt sein als Rückbau.
Gerade beim Klimawandel sind noch viele Fragen offen, die durch wissenschaftliche Anstrengung geklärt werden müssen. Wenn unsere Handlungsstrategien nicht dort greifen, wo wir sichere Erkenntnisse haben, tragen wir vielleicht mehr zur Zerstörung als zur Bewahrung der «Natur» bei. Beim anthro­pogenen Klimawandel sind unsere Erkenntnisse noch sehr lückenhaft, und es spricht vieles dafür, dass die politisch derzeit korrekte Sicht der Dinge wissenschaftlich nicht ausreichend korrekt ist.
Dennoch würde auch ich mein Haus lieber mit Geothermie als mit Gas beheizen – wenn ich denn die Möglichkeit dazu hätte.    •

1    Pauli, Ernst. Hintergründe zum Problem der globalen Erwärmung. In: Zeit-Fragen Nr. 22 vom 8. Oktober
2    Kehl, Harald. Kurzer Überblick zur Klimageschichte; http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de/project/lv-twk/002-klimageschichte-kleiner%20ueberblick.htm
3    Ewert, Friedrich-Karl. NASA-GISS Temperatur­daten wurden geändert – warum? www.youtube.com/watch?v=wHAZ_DBh89w
4    Kirstein, Werner. Klimawandel – wird die Wissenschaft politisch beeinflusst? www.youtube.com/watch?v=jdQiSWY1GWo (hier zum Beispiel Minute 17–20 des Videos)
5    Puls, Klaus-Eckart. Die Achillesferse der Klimamodelle. www.youtube.com/watch?v= 5HaU4kYk21Q
6    Halle Spektrum. Experten antworten auf Klima­skeptiker; https://hallespektrum.de/nachrichten/bildung/experten-antworten-auf-klimaskeptiker-das-hallespektrum-interview-zu-einem-umstrittenen-gastauftritt-eines-klimaskeptikers-in-der-mitteldeutschen-zeitung/304440
7    Lüdecke, Horst-Joachim. Jüngste Forschungsergebnisse zu Klimazyklen. www.youtube.com/watch?v=mBHrw4AZ15Y
7a     Calder, Nigel. Die launische Sonne, Wiesbaden 1997
8    Heumann, Pierre. Der Mann, dem sie die Sonne übelnehmen; https://www.achgut.com/artikel/der_mann_dem_sie_die_sonne_uebelnehmen
9    Greenpeace. CO2 & Co www.greenpeace.de/themen/klimawandel/welche-treibhausgase-verursachen-die-erderw%C3%A4rmung
10    Fischer, Christian. Demokratie braucht Nation; https://zeitgeist-online.de/exklusivonline/nachdenkliches-und-schoengeistiges/1040-demokratie-braucht-nation.html
11    Fischer, Christian. Planung von energiesparenden Gebäuden, Frankfurt 1992
12    Klima-Wiki: http://wiki.bildungsserver.de/klimawandel/index.php/Aktueller_Meeresspiegelanstieg
13    Rist, Manfred. Sind Asiens Metropolen noch zu retten? In «Neue Zürcher Zeitung International» vom 26. September
14    Mies, Ulrich. Planetarer Supergau. www.rubikon.news/artikel/planetarer-supergau
15    Rottenfusser, Roland. Die Tiefen-Ökologie. www.rubikon.news/artikel/die-tiefen-okologie