Zeit, aus Syrien zu verschwinden

von Eric Margolis*

Präsident Trump hat in bezug auf den amerikanischen Truppeneinsatz in Syrien das Richtige getan. Trump befahl den 2000 in Syrien stationierten US-Soldaten, sich zurückzuziehen und nach Hause zu kommen.

Die Neokons und die US-Kriegspartei trifft der Schlag, obwohl es etwa 50 000 US-Truppenangehörige gibt, die über den Rest des Nahen Ostens verteilt sind.
Die in der syrischen Wüste stationierten US-Truppen taten fast nichts. Ihre erklärte Rolle bestand darin, die Überreste des IS zu bekämpfen und alle Fortschritte iranischer Streitkräfte zu blockieren. Als vereinte Kampftruppe existiert der IS kaum, wenn überhaupt. Zusammengeschustert, bewaffnet und finanziert von den USA, den Saudis und den Golf-Staaten, um das syrische Regime zu stürzen, geriet der IS au­sser Kontrolle und wurde zu einer Bedrohung für alle.
In Wirklichkeit haben die USA ein Zeichen in bezug auf eine mögliche zukünftige Besetzung des vom Krieg zerrissenen Syriens durch die USA gesetzt, die dort ständige Auseinandersetzungen mit den russischen Streitkräften riskierten.
Wir werden aufatmen, wenn der US-Abzug tatsächlich stattfindet: Er beseitigt ein grosses Kriegsrisiko mit dem atomar bewaffneten Russland, dessen Streitkräfte sich auf Einladung der anerkannten Regierung in Damaskus in Syrien befinden. Die USA haben kein strategisches Interesse an Syrien und kein wirtschaftliches Interesse daran, dort militärisch tätig zu sein. Ausgenommen vielleicht, dass die Kriegspartei endlose Kriege im Ausland für die Rüstungsproduktion und -förderung haben möchte.
Trumps abrupter Abzug aus Syrien hat Washingtons Kriegspartei und die fünfte Kolonne der Neokons schockiert und gedemütigt. Sie hofften, dass eine Verstärkung der US-Streitkräfte dazu führen würde, dass Damaskus angegriffen und gegen iranische Streitkräfte vorgegangen würde. Es war amüsant, die Qual von so bekannten kriegerischen «chickenhawks» [Ausdruck für Kriegstreiber] wie Senator Lindsay Graham und dem fanatischen nationalen Sicherheitsberater John Bolton zu verfolgen, als ihre Hoffnungen auf einen US-Krieg gegen Syrien schwanden. Israel war ebenso bestürzt: Sein strategischer Plan besteht seit langem darin, Syrien zu fragmentieren und sich die Teile einzuverleiben.
Der ehrwürdige imperiale General und Verteidigungsminister Jim Mattis konnte diese Erniedrigung nicht ertragen. Er hat gekündigt. Marinegeneral Mattis war eines der wenigen ehrenwerten und respektierten Mitglieder der Trump-Administration, der die Impulse des Präsidenten mässigen konnte. Zu seinen Verdiensten gehörte es, dass er sich gegen die Wiedereinführung von Folter durch US-Streitkräfte wandte, einem Verbrechen, das von Trump, Bolton und dem Chicagoer Strafvollstrecker Mike Pompeo gefördert wurde.
Was wirklich wichtig war, war nicht ein Stück der syrischen Wüste. Mattis’ Rücktritt dürfte viel mehr auf Afghanistan, den längsten Krieg Amerikas, zurückzuführen sein. Die USA wurden in Afghanistan, zu Recht bekannt als der «Friedhof der Imperien», besiegt. Aber niemand in Washington kann diese Niederlage zugeben oder einen Rückzug anordnen, nachdem er 17 Jahre und eine Billion Dollar vergeudet und Tausende von Amerikanern getötet oder verwundet hat. Am wenigsten General Mattis, Bolton oder Pompeo, die sich verbissen gegen jedes Friedensabkommen mit der nationalistischen Taliban-Bewegung aussprachen.
Unbestätigten Medienberichten zufolge haben die USA ihre afghanische Garnison von über 14 000 Soldaten bereits ausgedünnt. Die Hauptfunktion dieser Soldaten besteht darin, die korrupte, mit Drogen handelnde afghanische Marionettenregierung in Kabul zu bewachen und die Taliban-Kräfte so zu blockieren, dass sie von der US-Luftwaffe angegriffen werden können.
Die Taliban bestehen darauf, dass sie keine ernsthaften Verhandlungen aufnehmen werden, bis alle US-amerikanischen und 8000 ausländischen Soldaten abgezogen sind. Tatsächlich könnten die Taliban, die in Abu Dhabi heimlich mit den USA gesprochen haben, einer Reduzierung der westlichen Truppen um 50 % zustimmen, um Friedensgespräche zu beginnen.
Der Afghanistan-Krieg hat die USA eine Billion US-Dollar gekostet. Die Besetzung von Teilen des Iraks und Syriens hat einen ähnlichen Betrag gekostet. Der Widerstand gegen die US-Herrschaft hält in beiden Ländern an. Mattis und seine Generalkollegen mögen diese Kriege wirklich, aber nicht der zivile Trump. Als Kandidat schwor er, diese «dummen» Kriege zu beenden. Lassen Sie uns hoffen, dass er sich gegenüber den erbitterten Einwänden der republikanischen Kriegspartei, der Neokonservativen und des militärisch-industriellen Komplexes durchsetzt.
Syrien ist eine hässliche kleine Nebenvorstellung. Im Gegensatz dazu ist Afghanistan ein dunkler Fleck auf Amerikas nationaler Ehre. Wir beobachten mit Abscheu und Bestürzung, wie die USA schwere B-52 und B-1 Bomber einsetzen, um afghanische Dörfer zu zerstören. Wir beobachten mit Abscheu, wie die USA die opiumdealenden afghanischen Kriegsherren und ihre kommunistischen Verbündeten verhätscheln – alles unter dem trügerischen Namen «Demokratie».
Wenn Trump Amerika gross machen will, kann er damit anfangen, das schmutzige syrische Missgeschick und die Schlächterei in Afghanistan zu beenden.    •

* Eric S. Margolis ist ein mehrfach ausgezeichneter, international vernetzter Kolumnist. Seine Artikel erschienen in der «New York Times», der «International Herald Tribune», der «Los Angeles Times» und der «London Times», aber auch in asiatischen Medien. Er lebt er in Toronto und New York.

Quelle: https://www.strategic-culture.org/pview/2018/12/23/time-get-out-of-syria.html vom 23.12.2018

(Übersetzung Zeit-Fragen)