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Hat die Ökonomie mit falschen Computer-Modellen gearbeitet?

ef. Vom 24. bis zum 28. August fand die vierte Tagung der Nobelpreisträger für Wirtschaft in Lindau am Bodensee statt. Insgesamt 17 der 38 noch lebenden Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften – unter ihnen George Akerlof, Roger Meyerson und Joseph Stiglitz – sowie weitere bekannte Ökonomen trafen sich zu Vorträgen und Diskussionen mit fast 400 Nachwuchswissenschaftlern aus 65 Ländern.
Am 26. August sprach Joseph Stiglitz zum Thema: «Stellen wir uns eine Wirtschaft vor, die funktioniert: Krise, Ansteckung und die Notwendigkeit eines neuen Paradigma».
Stiglitz sagte deutlich, die Gegenwart sei kein goldener Moment für die Makroökonomik. Die Finanzkrise 2008 war von der Ökonomik nicht vorhergesehen worden. «Im August 2008 diskutierten hier in Lindau Nobelpreisträger mit jungen Studenten, aber es gab fast keine Diskussion über die herannahende Krise. Die wichtigste Aufgabe makroökonomischer Modelle, wie der Wissenschaft überhaupt, ist, dass sie sichere Vorhersagen machen können. Das hat nicht funktioniert.»
Stiglitz schloss daraus, dass die bisherigen Modelle falsch waren und sind. Es sind Simplifizierungen, falsche Simplifizierungen. Noch 2007 hatte der Chef der US-amerikanischen FED, Ben Bernanke, geäussert, sie hätten alles im Griff. Ein verheerender Irrtum, wie man heute weiss.
Stiglitz nannte auch neue Massstäbe für eine gute Ökonomik: Wenn die Wirtschaftsmodelle gut wären, müsste es weniger Arbeitslosigkeit geben. Das Gegenteil aber ist der Fall: Von 2007 bis 2011 ist die Arbeits­losigkeit weltweit gleich hoch geblieben.
Statt dessen haben die Modelle von Ökonomen mit zur Katastrophe beigetragen. Stiglitz nannte als Beispiel die Modelle zur Rechtfertigung von Verbriefungen. Alle sind fehlgeschlagen.
Die gängigen Modelle blenden wesentliche Teile der Wirklichkeit einfach aus. Er, Stiglitz, habe mit jemandem von einer Zentralbank gesprochen. Sie arbeiten mit Wirtschaftsmodellen, in denen es gar nicht vorkommt, dass Banken keine Kredite mehr vergeben. In den Modellen wurde einfach vorausgesetzt, dass Kredite vergeben werden, dass Kredite da sind. Woher sie kommen und ob sie überhaupt vergeben werden, sei nicht bedacht worden.
Und was tut die bisherige Ökonomik? Sie hat bis heute keine Modelle für die «Erholung» – dafür, wie die Menschheit wieder aus der Krise herauskommen kann. Stiglitz fordert deshalb, dass die Ökonomen mehr zusammenarbeiten müssen, um an diesen Fragen zu arbeiten. Es braucht ein Netzwerk von Ökonomen.    •