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Endlich Frieden besiegeln!

von Prof. Dr. Eberhard Hamer, Hannover*

Noch immer, 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, haben die Siegermächte USA und Grossbritannien Truppen in Deutschland stationiert, noch immer muss Deutschland für Kosten dieser Truppen und sogar für aussermilitärische Aktivitäten der ehemaligen Besatzungsmächte wie zum Beispiel die Totalspionage durch die NSA bezahlen. Noch ist Deutschland eine Art von Kolonie mit deutschen Kolonialverwaltern, noch werden unsere Medien, unsere politische Klasse und unsere Regierung angelsächsisch gesteuert – nicht unbedingt von der jeweiligen Regierung des Landes, aber doch von langfristig sehr mächtigen Kräften in den USA und in Grossbritannien.
30 Jahre ist es nun her, dass die sowjetische Besatzung in der DDR endete, Westdeutschland die DDR übernommen hat und heute kein Land mehr an seinen Grenzen hat, das ihm kriegerisch gesonnen wäre oder es bedrohen würde.
Warum zogen sich nach den sowjetischen Truppen nicht auch die Truppen der USA und Grossbritanniens zurück?
Deutschland wurde 1990 mit dem Zwei-Plus-Vier-Vertrag formal souverän. Trotzdem haben die westlichen Siegermächte nach wie vor Sonderrechte, zum Beispiel

  • dass weiterhin Truppen in Deutschland – sogar mit Atomwaffen – stationiert bleiben,
  • dass die Angehörigen der Truppen weiterhin exterritorial, also der deutschen Justiz nicht unterworfen sind,
  • dass die USA die totale Spionage an der gesamten deutschen Telekommunikation weiter betreiben dürfen
  • oder dass Deutschland die Kosten der Besatzungstruppen einschliesslich Bauten o. a. weiterhin bezahlen muss.

Nach der deutschen Wiedervereinigung waren die Weltmachtträume der Sowjetunion geplatzt, die der Amerikaner aber gewachsen. Und seitdem betreiben letztere – noch immer – die Politik «der einzigen Weltmacht», welche nach den Plänen Brzezinskis Europa dadurch beherrschen sollte, dass man die Zentralmacht – Deutschland – im Griff behält. Dadurch soll die europäische Politik, Wirtschaft und Finanzindustrie amerikanisch beherrscht werden.
Alle bisherigen US-Präsidenten hatten an diesem Vormachtanspruch der USA über Deutschland keinen Zweifel gelassen. Aber seit einigen Jahren wächst auch in Deutschland die Kritik an den USA. So werden die Fragen immer lauter,

  • ob es in unserem Interesse liegt, wenn unsere Politiker (Merkel, Maas) und die regierungstreuen Medien ständig gegen Russ­land hetzen, statt ihre amerikanischen Freunde zurückzuhalten,
  • warum wir uns an den Kriegsspielen der Nato gegen Russland (Aufmarsch gen Osten durch Panzer, Raketen und Manöver) beteiligen
  • und warum wir gemäss amerikanischem Befehl unsere Rüstungskäufe in den USA verdoppeln, obwohl kein Feind uns in Europa bedroht.

Nicht wieder Hass gegen Russland schüren

75 Jahre nach Krieg und Niederlage sollten wir alle Kriegsgesänge, Kriegsspiele und feindlichen Auseinandersetzungen vermeiden, insbesondere nicht wieder Hass gegen Russland schüren, der dann unkontrolliert wieder in Krieg ausbrechen könnte. Hat unsere heutige Generation aus dem Zweiten Weltkrieg nichts gelernt, oder übt sie falsche Vasallentreue gegenüber falschen Freunden?
Wir müssen doch wissen, dass das Aufflammen jeder militärischen Auseinandersetzung zwischen Ost und West Deutschland wieder zum Schlachtfeld machen würde. Gerade wir Deutsche sollten deshalb dafür sorgen, dass die durch Nato und atlantische Medien anschwellende Russlandhetze sowie der leichtsinnige militärische Aufmarsch gen Osten nicht unkontrolliert zum Brandherd werden könnte.
In Europa will niemand Krieg und will die Mehrheit in Frieden nicht nur mit den USA, sondern auch mit Russland leben. Niemand hätte mehr Grund, für Frieden zu kämpfen, als die Deutschen.
Deshalb brauchen wir eine neue Friedensordnung für Europa, welche

  • die Nato wieder zum Verteidigungsbündnis statt zur Angriffsspitze gegen Russland zurückfunktioniert,
  • die Truppen der USA und Grossbritanniens, wie früher die russischen, aus Deutschland abzuziehen zwingt,
  • den Wirtschafts- und Finanzkrieg durch Sanktionen gegen Russland beendet und durch eine Ausgleichspolitik ersetzt
  • und unserer Wirtschaft zum Ersatz für die durch Trumps Protektions- und Sanktionspolitik verlorenen US- und Auslandsmärkte wieder freien Marktzugang nach Russland öffnet.

Deutschland kann als Mittelmacht in Europa nur gedeihen, wenn wir gleichermassen nach Osten wie im Westen Frieden pflegen.
Wir sollten das Jahr 2020 – 75 Jahre nach dem letzten Weltkrieg – zum Friedensjahr erklären!    •

*    Prof. Dr. Eberhard Hamer ist Begründer des Mittelstandsinstituts Hannover sowie Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher, unter anderem «Was tun, wenn der Crash kommt? Wie sichere ich mein Vermögen oder Unternehmen?» (10. Auflage 2008), «Der Welt-Geldbetrug» (2007) und «Visionen 2050. Wohin steuern wir? Trends und Prognosen für Deutschland und Europa» (2016).

Der Wirtschaftskrieg zwischen USA und Deutschland kulminiert um Nord-Stream-2

eh. Gleich zum Jahresanfang hat der schon seit Jahren dauernde Wirtschaftskrieg der USA gegen die deutsche Wirtschaft mit neuen Angriffen begonnen:

  1. Der US-Botschafter in Berlin bedrohte die Firmen, welche die Nord-Stream-2-Ölleitung durch die Ostsee zwischen Deutschland und Russland bauen, mit Spezialsanktionen. Und dies sogar schriftlich!
  2. Kurz vorher hatten der US-Senat, die US-Regierung und die Nato dazu aufgerufen, die Nord-Stream-2-Ölleitung «mit allen Mitteln» zu verhindern.
  3. Präsident Donald Trump hat mehrmals Ende letzten Jahres die Bundesregierung ultimativ aufgefordert, den Weiterbau der Nord-Stream-2-Ölleitung zu stoppen.

Der US-Präsident hat sich ebenso wenig wie sein Botschafter gescheut, die wahren Gründe für seinen Kampf gegen Nord-Stream-2 darzulegen: Sie würde den Absatz des um ein Drittel teureren amerikanischen Öls nach Europa behindern.
Zwar hat die Bundesregierung auf diese Erpressung hin eine halbe Milliarde zur Verfügung gestellt, um den Flüssiggashandel mit Deutschland durch den Bau eines Terminals zur Abnahme von US-Flüssiggas zu ermöglichen. Die Amerikaner wissen jedoch, dass sie preislich in Europa nicht konkurrenzfähig sind, und wollen deshalb mit Gewalt jede billigere Russlandversorgung verhindern.
Die Wirtschaftsschlacht um Nord-Stream-2 ist Höhepunkt eines längst geführten Wirtschaftskrieges zwischen den USA und Deutschland. Die USA sehen Deutschland als ökonomisches Rückgrat der EU und der Euro-Zone an, deren Wirtschaftskraft den ökonomischen Weltherrschaftsplänen der USA entgegensteht.
Basis der US-Massnahmen ist die Totalspionage über Deutschland. Die Snowden-Enthüllungen haben veröffentlicht, wie die US-Geheimdienste jede E-Mail, jeden Seitenaufruf im Internet, jedes Telefonat und jeden Industriecomputer durch ihre in Deutschland installierten Spionageeinrichtungen abgreifen, speichern und von Spionageprogrammen automatisiert durchwühlen und auslesen lassen. Selbst der Bundesnachrichtendienst BND ist zum Austausch aller Nachrichten und zur Weitergabe selbst personenbezogener Daten an die NSA verpflichtet. Diese verdachts­unabhängige Überwachung und Speicherung aller deutschen Daten auf Vorrat wird von den US-Organisationen wie PRISM, Tempora und XKeyscore für die NSA durchforstet und mit der CIA und anderen Behörden gemeinsam weiterverwertet. Dann überlässt die NSA den US-Firmen solche illegalen Daten, welche für diese interessant sind, mobilisiert aber auch das US-Justizministerium und die US-Börsenaufsicht SEC immer dann, wenn irgendwo irgendeine Dollarzahlung ermittelt wurde, die «geeignet ist», den deutschen Wettbewerb durch Milliardenstrafen auf dem Weltmarkt zu schädigen.
Gegen die Deutsche Bank wurden bisher Strafen von etwa 12 Milliarden Dollar verhängt, ebenfalls gegen Volkswagen mehr als 10 Milliarden, insgesamt gegen deutsche Konzerne mehr als 30 Milliarden Dollar. Hinzu wurden überall, wo deutsche Patente und Know-how-Angebote den Amerikanern überlegen waren, diese den amerikanischen Konkurrenten eröffnet und ausländische Auftraggeber regierungsseitig erpresst, ihren Auftrag an die US-Firmen zu erteilen. Edward Snowden hat dies ausführlich dargestellt.
Schon im Krieg Boeing gegen Airbus hat sich unsere Regierung und haben sich die Europa-Funktionäre bei US-Erpressungen bemerkenswert zurückgehalten, statt zu protestieren oder die Erpressung zu veröffentlichen. In der neuen Schlacht um Nord-Stream-2 ist das Verhalten der europäischen und deutschen
Politik zwiespältig: Angela Merkel hat versucht, durch hohe Abstandszahlungen an die Ukraine und Polen für die Durchleitung russischen Öls deren Widerstand zu vermindern.
Die Eurokraten wollen die Leitung eigentlich auch nicht, weil Polen dagegen ist und die US-Hochfinanz die von ihr abhängigen EU-Politiker und Organisationen massiv dagegen bearbeitet. Man wird sehen, wie es nach der kürzlich erfolgten Einigung der EU-Regierungen, Nord-Stream-2 doch noch zu ermöglichen, weitergeht.
Der Wirtschaftskrieg zwischen den USA und der EU wird in der Schlacht um Nord-Stream-2 entschieden. Würde die Schlacht um Nord-Stream-2 gewonnen, wäre mehr Unabhängigkeit für Europa von den USA gewonnen und langfristig wirksam.