cc: This article discusses German-language children's books and has therefore not been translated.
«Nein, wer hätte das von einem Dackel gedacht!» rief der Doktor. «Wenn du einen Dieb fangen kannst, wirst du sicher auch bald dein Halsband wiederfinden.»
Diese Geschichte von den Abenteuern des klugen Dackels Fridolin begeisterte meine drei Enkel, acht, elf und 14 Jahre alt. Sie waren bei mir zu Besuch, lagen und sassen auf dem Sofa, und ich las ihnen die Geschichte vor. Sie waren als Stadtkinder fasziniert von diesem Schweizer Kinderbuch von Franz Caspar, lachten wie ich Tränen über die Erlebnisse, die vorwitzigen Kommentare und die Zuversicht des kleinen Hundes und freuten sich an den ausdrucksstarken, mit gekonntem Strich gezeichneten Illustrationen. «Nun war Fridolin allein. Aber ihm war nicht bange. ‹Ist bis jetzt alles gut gegangen, dann wird es auch weiterhin gut gehen›, dachte er.»
Die Mischung aus Tiergeschichte, Kindergeschichte und der Darstellung einer Reihe von Erwachsenen, die bei der abenteuerlichen Suche nach dem verlorenen Halsband mithelfen, ist so ansprechend, dass sie auch die verschiedenen Altersstufen, von der jüngsten Enkelin bis zu mir, miteinander verband. Es liesse sich noch viel zu dieser Geschichte sagen – sie regt mit ihren unglaublichen Erlebnissen und unerwarteten Lösungen Phantasie, Mitfühlen und Mitdenken an.
Worauf kommt es bei einem Kinder- und Jugendbuch an, dessen Geschichte auf diese Weise berühren kann? Es ist meist von Autoren geschrieben, die einen besonderen Bezug zu Kindern und ihren Themen haben und sie in Verbindung bringen können mit ihrer Familie, ihren Geschwistern oder Freunden. Bei solchen Büchern können die Leser mitleben, mitfühlen und diskutieren. Es geht im Kern um das, was Literatur ausmacht: um das Einfühlungsvermögen in andere, um das Wiedererkennen, aber auch Erweitern der eigenen Sicht. Auch das Verständnis für Natur und Umwelt kann angeregt werden. Das Buch lässt es frei, vor- und zurückzublättern, sich Szenen auszumalen, sich besonders ansprechende Szenen zu merken.
Kein technischer Prozess …
Die Fähigkeit, zu lesen und so in Beziehung zu treten, seine Vorstellungswelt und seine Sprache zu erweitern, ist kein technischer Prozess; Lesen braucht Anregung, Zutrauen, Vermittlung durch Erwachsene in Familie oder Schule. Vor diesem Hintergrund kann beim Lesen eine ganze Welt entstehen. Bücher, gerade auch Kinderbücher, können Freude machen und zu Freunden werden.
… sondern ein Leseerlebnis für alle
Bücher vom Fliessband, durch KI hergestellt, können diesen Reichtum einer Beziehungsaufnahme beim Lesen in keiner Weise ersetzen. Ein solches als Massenware produziertes Fast food bringt die Kinder um echte Leseerlebnisse. Wer in seinem Umfeld zur Freude am Lesen beitragen will, kann sich als Vermittler für Kinderbuchklassiker wie «Fridolin» oder andere mit Bedacht ausgewählte Kinderbücher einsetzen. Eltern, Grosseltern, Freunde tragen durch Vorlesen, Erzählen oder Schenken dazu bei. Viele dieser Bücher sind schon mehrfach neu aufgelegt worden und Generationen von Lesern bekannt, ein Beispiel dafür ist «Fridolin», der meinen Enkelkindern und mir Freude machte.
Eine kleine Auswahl von Titeln soll hier vorgestellt werden, mehr finden Sie in Ihrer Buchhandlung, Ihrer Bibliothek oder vielleicht sogar in einem Bücher-Café. (Ein solches Angebot habe ich kürzlich in Matzingen TG kennengelernt.)
Kleine Titelliste
Die Bücher sind alle im Buchhandel oder antiquarisch erhältlich. •
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