Mango-Trocknung in Afrika

Was erreicht ist, und was kommen wird

Ökozentrum Langenbruck

Das Ökozentrum Langenbruck hat für Afrika Früchtetrocknungsöfen entwickelt, die mit möglichst wenig Energie und Kosten arbeiten sollen. Projektleiter Akos Lukacs konnte diesen Sommer erneut nach Burkina Faso reisen, um den Prototyp der Früchtetrocknungsanlage weiter zu optimieren. Damit behält das Projekt jene Beständigkeit, die für Engagements im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit dringend notwendig ist.

Nach 8,5 Stunden Flug bis Ouagadougou reiste Akos Lukacs Mitte Juli gemeinsam mit David Heubi, Direktor von gebana Afrique, weiter nach Bobo Dioulasso, einer der produktivsten Anbaugegenden für Mangos in Burkina Faso. Auch dieser vierte Besuch des Projektleiters vom Ökozentrum fand in der Regenzeit statt, die auch die Erntezeit für Mangos ist.
Während die ersten drei Besuche der Installation des Früchtetrockners und der Schulung von Mitarbeitern vor Ort galten, lag der Schwerpunkt des diesjährigen Besuchs auf der Optimierung der Anlage betreffend Energieeffizienz und Kosten.

Robust, einfach, günstig

Das Projekt zielt darauf ab, einen robusten Früchtetrockner zu entwickeln, der bezüglich Energieeffizienz und CO2-Bilanz herkömmlichen Anlagen deutlich überlegen ist und mit erneuerbaren Energien betrieben werden kann. Das System soll vor Ort mit minimalen Kosten gebaut werden können und einfach wartbar sein. Zudem werden qualitativ und quantitativ bessere Resultate erzielt. Der homogene Temperaturverlauf der Wärmepumpen-Umlufttrockner eliminiert den Ausschuss an verbrannten und verfärbten Früchten, der beim konventionellen Gastrocknungsprozess rund einen Drittel der Trockenware ausmacht, vollständig. Die Auswirkungen des Projekts sind vielfältig: Grundsätzlich wird die Wirtschaft in Burkina Faso gefördert, und die Einnahmen der Bauernkooperativen werden sowohl gesteigert als auch langfristig gesichert. Das Projekt unterstützt die Sicherung einer nachhaltigen Trockenfruchtproduktion auf Basis erneuerbarer Energien und erhöht zugleich die Qualität der getrockneten Früchte, was gebana Afrique, der lokale Vertriebspartner des Ökozentrums, in einer umfassenden Produktanalyse feststellen konnte.

Erneuerbarer Strom rund um die Uhr

Im nächsten Schritt geht es nun um die Reduktion der CO2-Emissionen und Produk­tionskosten durch den Einsatz von dezentralen, erneuerbaren Energiequellen. So kann die Abhängigkeit der lokalen Mango-Produzenten vom Netzstrom reduziert werden, der durch die schwache Erschliessung teuer und unzuverlässig ist.
Zurzeit werden zwei Lösungswege verfolgt. Zum einen ist Bobo Dioulasso mit einer durchschnittlichen Sonneneinstrahlung von acht Stunden täglich ideal geeignet für Photovoltaik (PV). Zum anderen stellen Biogasgeneratoren eine besonders interessante Lösung dar, welche die Nutzung biogener Reststoffe (Rüstabfälle) ermöglicht. Eine Verbindung beider Systeme für eine Stromversorgung rund um die Uhr wird geprüft.

Biogas als ideale Lösung

Während der Erntezeit können bei weitem nicht alle Früchte verarbeitet werden. Bis zu 50 Prozent der Früchte verfaulen und bilden klimaschädliches Methangas. Zusammen mit den grossen Mengen Rüstabfall der getrockneten Früchte kann durch Vergärung Biogas hergestellt und damit ein Biogasgenerator zur Stromproduktion betrieben werden. Idealerweise können in Burkina Faso zudem die zeitgleich anfallenden Produktionsabfälle der Cashewnuss-Produktion Verwendung finden.
Mit solchen Systemen können die Mango-Produzenten auf zuverlässigen und sauberen Strom aus eigenen Quellen zurückgreifen, und das schon jetzt an der Belastungsgrenze funktionierende Stromnetz wird nicht weiter belastet. Ein weiterer wesentlicher Schritt zum erfolgreichen und unabhängigen Wirtschaften der Produzenten wäre damit getan.

Erfahrene Partner vor Ort

Für die Unabhängigkeit der Produzenten sind das technische Wissen zum Bau von Kondensationstrocknern sowie die dazu notwendigen Werkzeuge, Materialien und Infrastrukturen ebenso entscheidend wie die zuverlässige Stromproduktion, die Qualität der Produkte und der Absatzmarkt. Projektleiter Akos Lukacs konnte bei seinen Besuchen Kontakt zu verschiedenen potenziellen Partnern in Burkina Faso herstellen. So kann die Organisation Swisscontact, die für kleine und mittlere Unternehmen nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe leistet, den geschulten Handwerkern die nötige Infrastruktur und das Werkzeug vermieten. Partner im Bereich der erneuerbaren Energietechnik könnten Samconsult International und Isomet sein.
Letztlich sollen Produktion, Wartung und Betrieb der Trocknungsanlagen vollständig unabhängig von internationaler Unterstützung funktionieren. Eine anfänglich intensive Begleitung und Schulung des Personals vor Ort ist dazu unerlässlich. Bei der Schulung werden in den drei Bereichen Zusammenbau, Bedienung und Wartung Schwerpunkte gesetzt.

Ausweitung auf andere Länder

Parallel zur Elektrifizierung der Früchtetrockner in Burkina Faso soll das Potenzial für Trocknungsanlagen nach dem Wärmepumpenprinzip in anderen Ländern geprüft werden. Erste, vielversprechende Kontakte in weiteren afrikanischen Ländern, in Asien und Lateinamerika konnten bereits geknüpft werden.
Für die anstehende Optimierung des Früchtetrockners, die Schulungen vor Ort und die Erprobung von PV- und Biogas­systemen zur Elektrifizierung der Trockner sind wir auf weitere finanzielle Mittel angewiesen. Spenden Sie für dieses sinnvolle Projekt, und werden Sie Teil dieser Geschichte, zu deren Erfolg viele Menschen ihren Teil beitragen.    •

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Quelle: Ökozentrum Langenbruck (BL), www.oekozentrum.ch

Der Umwelt und den Menschen angepasste Technologie

Der Früchtetrockner basiert auf dem Prinzip der Kondensationstrocknung, wobei zuerst Luft vollständig entfeuchtet wird. Die so «getrocknete» Luft kann nun beim anschliessenden Trocknungsprozess dem Trockengut sehr schonend die Feuchte entziehen. Die Luftentfeuchtung geschieht anhand einer einfachen Wärmepumpe, wie sie in jedem Kühlschrank anzutreffen ist und die in enger Zusammenarbeit zwischen dem Ökozentrum und der Fachhochschule Buchs weiterentwickelt wurde.
Für die Trocknung werden die Mango-Schnitze auf Holzrahmen mit groben Netzen ausgelegt – erfahrungsgemäss verkleben feine Netze rasch durch den austretenden Fruchtsaft. Dadurch werden die Früchte von allen Seiten mit Luft umströmt und trocknen gleichmässig. Im Früchtetrockner sind mehrere Holzrahmen übereinander angeordnet. Ein Ventilator bläst Luft durch die Früchte hindurch, die damit von ihrer Feuchte abgeben. Die angefeuchtete Luft gelangt anschliessend in die kalten Lamellen des ersten Wärmetauschers. Hier wird der feuchten Luft durch Kondensation das Wasser entzogen. Die trockene Luft wird in einem zweiten Wärmetauscher erwärmt und vom Ventilator erneut in den Trocknungsraum geblasen. Damit beginnt der geschlossene Kreislauf von neuem.
Diese Trocknungsweise erlaubt dank der tiefen Temperaturen eine extrem schonungsvolle Trocknung der Früchte. Dadurch resultieren Trockenfrüchte von allerhöchster Qualität. Die technischen Weiterentwicklungen des Systems durch das Ökozentrum ermöglichen die vollständige Herstellung eines Wärmepumpentrockners mit lokal verfügbaren Materialien und Materialkosten von etwa 2000 Franken. Damit arbeitet das Ökozentrum gezielt auf die selbständige Herstellung, Wartung und Bedienung des Früchtetrockners durch die Menschen in Burkina Faso und auf eine weitgehende Wertschöpfung vor Ort hin.