Genossenschaften und Kleinbauern als Schlüssel zur Welternährung

Stellungnahme des Generaldirektors der FAO, José Graziano da Silva, zum Welternährungstag am 16. Oktober 2012

Verehrter Staffan de Mistura, Staatssekretär des italienischen Aussenministeriums
Verehrte Minister,
Delegationsleiter,
Herr Kanayo Nwanze, Präsident des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung,
Frau Ertharin Cousin, Exekutivdirektorin des Welternährungsprogrammes,
Herr Emile Frison, Generaldirektor von Bioversity International,
Herr David Nabarro, Repräsentant des UNO-Generalsekretärs für Nahrungssicherheit und Ernährung
Herr Luc Guyau, unabhängiger Präsident des Rates der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen,
Geschätzte Gäste, meine Damen und Herren

Ich eröffne hiermit den 32. Welternährungstag, der mit dem 67sten Geburtstag der Gründung der FAO zusammenfällt.
Zuerst lassen Sie mich sagen, wie erfreut und geehrt ich bin heute Morgen, die Anwesenheit von Frau Elizabeth Arangana, Sonderbotschafterin der FAO für das Internationale Jahr der Genossenschaften, zur Kenntnis zu nehmen. Ihre Anwesenheit heute, nach einer langen Reise von Kamerun her, ist ein lebendiges Zeugnis ihres Einsatzes für die weltweiten Bemühungen, weltumfassende Ernährungssicherheit zu gewährleisten.
Das Thema des Welternährungstages «Landwirtschaftliche Genossenschaften –Schlüssel für die Welternährung» hebt die Rolle hervor, die Genossenschaften dabei spielen, die Nahrungssicherheit zu verbessern und dazu beizutragen, den Hunger zu beseitigen. Wir richten die Aufmerksamkeit der Welt auf diesen strategischen Kernpunkt in der Hoffnung, dass der diesjährige Welternährungstag ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg ist, die nachhaltigen politischen Anstrengungen und Programmarbeiten zu erreichen, die gebraucht werden, um die gegenwärtigen und zukünftigen Generationen zu ernähren.
Der Welternährungstag gibt uns Gelegenheit, Bilanz über den Fortschritt zu ziehen in unseren Anstrengungen, das Recht auf Nahrung für alle sicherzustellen.
Vergangene Woche haben die FAO, IFAD (Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung) und WFP (Welternährungsprogramm) die Ausgabe von 2012 über die Situation der Ernährungsunsicherheit in der Welt [State of Food Insecurity in the World, SOFI] vorgestellt. Der Bericht zeigt, dass wir einige Fortschritte gemacht haben im Hinblick auf das erste Millenniums-Entwicklungsziel, die Anzahl der unterernährten Menschen bis zum Jahr 2015 zu halbieren.
Aber er zeigt auch, dass sich dieser Fortschritt seit 2007 verlangsamt hat. Fast 870 Millionen Männer, Frauen und Kinder hungern immer noch jeden Tag. In Afrika und im Nahen Osten wächst die Zahl der unterernährten Menschen immer noch.
Wir können das nicht zulassen in einer Welt des Überflusses. Wir produzieren bereits genug Nahrung für jedes menschliche Wesen.
An der Rio+20-Konferenz über nachhaltige Entwicklung hat der Uno-Generalsekretär Ban Ki-moon den Einsatz eines «Null-Hunger-Programms» («Zero Hunger Challenge») lanciert. Dabei hat er die Beseitigung des Hungers und die Beseitigung der Unterentwicklung bei Kindern, überhaupt der Unterentwicklung, damit in Verbindung gebracht, alle Nahrungssysteme nachhaltig zu machen und dies mit 100% Zuwachs der Produktivität von Kleinbauern, 100% nachhaltiger Nahrungsmittelproduktion und null Vergeudung und Verlust durch Lebensmittelabfälle.
Ich glaube wirklich, dass es möglich ist, einen Zustand ohne Hunger zu erreichen, wenn wir zusammenarbeiten, unsere Aufmerksamkeit bündeln und unsere Bemühungen koordinieren. Die Bauern sind ein wichtiger Teil dieser Bemühungen. Die Kleinbauern sind in vielen Ländern der Welt die Hauptlieferanten  für Nahrungsmittel, aber sie gehören auch zu den ärmsten der Welt. Genossenschaften  können Kleinbauern dabei helfen, diese Einschränkungen zu überwinden. So macht das Thema des diesjährigen Welternährungstages öffentlich bekannt: Sie sind der Schlüssel für die Welternährung.
In diesem Jahr hat die FAO hier in unserer Hauptzentrale ein Verbindungsbüro für Bauern und Genossenschaften eröffnet. Und wir arbeiten daran, das Bewusstsein für die wichtige Rolle, die landwirtschaftliche Genossenschaften spielen, zu schaffen, und bauen gemeinsame Programme mit ihnen auf. Wir tun dies in Zusammenarbeit mit dem IFAD und dem WFP und in Koordination mit dem interinstitutionellen Ausschuss für die Förderung des Genossenschaftswesens (Committee for the Promotion and Advancement of Cooperatives, COPAC). Wir arbeiten auch mit anderen Partnern zusammen, wie zum Beispiel der Internationalen Arbeitsorganisation (International Labour Organization, ILO), der Abteilung für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten der Uno (Department of Economic and Social Affairs), der «International Co-operative Alliance» (ICA), dem Weltbauernverband (World Farmers’ Organization, WFO), privaten Einrichtungen und Nichtregierungsorganisationen (NGO) auf der ganzen Welt. Genossenschaften haben einen Schlüssel, um die Welt zu ernähren, aber ebenso haben ihn die Regierungen, die Zivilgesellschaft und die privaten Einrichtungen; um Ernährungssicherheit für alle zu erreichen, müssen wir alle zusammenarbeiten. Er reicht nicht aus, den Hunger zu reduzieren. Lassen Sie uns kühne Ziele setzen: Was den Hunger angeht, ist die einzig akzeptable Zahl Null.
In meinem Land gibt es ein Lied, das sagt, ein Traum, den wir allein träumen, ist nur ein Traum, aber ein Traum, den wir zusammen träumen, wird zur Realität.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Quelle: www.fao.org
(Übersetzung Zeit-Fragen)