Friedensvertrag mit den Taliban

Eingeständnis der Niederlage durch die USA

von Prof. Dr. Albert A. Stahel

Nach beinahe 18 Jahren Krieg verhandeln die USA mit den Taliban im katarischen Doha. Im Dezember 2001 hatten sie offiziell die Taliban-Herrschaft über Afghanistan beendet und deren Führungsmannschaft mit Mullah Omar nach Pakistan vertrieben. Nun anerkennt die amerikanische Diplomatie unter dem afghanisch-stämmigen US-Sondergesandten für Afghanistan, Zalmay Khalizad, die Taliban als gleichberechtigte Verhandlungspartner. Ganz offensichtlich streben die Amerikaner mit diesem sogenannten Friedensvertrag einen unbehelligten Abzug aus Afghanistan an. Wie die Sowjetunion 1989 haben die USA diesen langandauernden Krieg verloren. Umsonst waren die toten amerikanischen Soldaten, und umsonst waren die über 1000 Milliarden US-Dollars, die für die Kriegführung ausgegeben wurden. Wie im Krieg der 40. Armee der UdSSR von 1979 bis 1989 sind die Amerikaner an der Topographie des Landes und der Unbeugsamkeit der Afghanen gescheitert. Sie vervollständigen damit die Riege der Grossmächte, die in diesem Gebirgsland nur Niederlagen eingefahren haben. Vor ihnen waren dies das britische Imperium und die UdSSR. Nun teilen die USA das Schicksal der besiegten Grossmächte in Afghanistan mit ihren Vorgängern.
Das Scheitern der USA erscheint auf den ersten Blick als unverständlich, haben sie doch in diesem Krieg die gesamte Macht ihrer militärischen Überlegenheit eingesetzt. Ausdruck dieser Überlegenheit war der Einsatz von Langstreckenbombern B-1B und B-52. Die amerikanischen Bombardierungen konnten aber gegen die primitiven Kalaschnikows der Taliban wenig ausrichten. Im Gegenteil, durch die Tötung unschuldiger Menschen1 haben sie die Wut der afghanischen Zivilbevölkerung angestachelt und diese schlussendlich auf die Seite der Taliban getrieben.
Was wird nach dem Abzug der Truppen der USA und ihrer Alliierten von der Intervention übrigbleiben? Eigentlich wenig. Afghanistan wird wieder unter die Herrschaft der Taliban geraten und die Kollaborateure der Kabuler Regierung mit ihrem Präsidenten Ghani an der Spitze werden sich ins Ausland absetzen, so vor allem in die USA. Die afghanische Bevölkerung wird arm bleiben und von den Drogenbanditen dadurch noch mehr abhängig sein.
Diesen Abzug wird die amerikanische Bevölkerung zur Kenntnis nehmen, aber nicht erkennen, dass dieser Abzug ein weiterer Schritt zur Abdankung des imperialen Status der USA sein wird. Ihr Präsident Donald Trump wird gleichzeitig den US-Abzug und damit diese Niederlage als die Krönung seiner strategischen Entscheidungen feiern. Damit wird er das Schicksal anderer Weltführer teilen.    •

1    UNAMA registrierte allein vom 1.1.2017 bis 31.12.2017 28 291 getötete und 52 366 verletzte Zivilisten. UNAMA, Afghanistan: Protection of Civilians in Armed Conflict, Annual Report 2017, February 2018: https://www.ohchr.org/Documents/Countries/AF/ProtectionCiviliansAnnualReport2017.pdf.

Quelle: Institut für Strategische Studien vom 31.1.2019