Griechenland braucht weiteren Schuldenschnitt

«Mit den gewählten Sparmassnahmen mehr Schaden als Nutzen erzielt»

Griechenland braucht einen weiteren Schuldenschnitt, da sind sich Experten der EU und des IWF einig, auch wenn sie es öffentlich (noch) nicht zugeben dürfen. Offensichtlich kann Griechenlands Problem ohne einen weiteren massiven(!) Schuldenschnitt und/oder eine geregelte Staatsinsolvenz nicht mehr gelöst werden. Seitens des IWF bittet man die Griechen sogar indirekt mehr oder weniger um Entschuldigung. Die Weltfinanzorganisation gibt kleinlaut zu, dass mit den gewählten Sparmassnahmen mehr Schaden als Nutzen erzielt wurde. …
Dem IWF fiel nach fast drei Jahren des Herumdokterns mit Einkommenskürzungen, Rentenminderungen und ständigen neuen Steuern auf, dass diese Mass­nahmen das BIP nicht mit einem Faktor 0,5 pro «eingespartem» Euro belasteten, sondern vielmehr zu einer bis zu 1,7-fachen Minderung des griechischen BIP führten! Nicht grundlos wurde Griechenland inzwischen Europa-Meister der Arbeitslosigkeit. 27% offiziell registrierte Arbeitslose sind wahrlich kein Zeichen für ein gelungenes Reformprogramm. Mit 58 Prozent Jugendarbeitslosigkeit war das Land schon längst einsamer Spitzenreiter. Beachtliche 34 Prozent Arbeitslose (also einer von drei) im Alter von 35 bis 45 Jahren belegen, dass dem Land ausser der Jugend auch noch die produk­tivste Generation abhanden kommt. …
Trotzdem besteht Finanzminister – er ist der EU im Wort – Yannis Stournaras stur auf einer neuen Immobiliensteuer. Selbst kritische Stimmen aus den Regierungsparteien lassen ihn kalt. Bereits jetzt können Millionen Griechen die bestehenden Immobiliensteuern, die zum grossen Teil über die Stromrechnung eingezogen werden, nicht mehr aufbringen. Wer zwei aufeinanderfolgende Stromrechnungen nicht begleichen kann, dem dreht die Public Power Company einfach die Leitung ab. Diese Massnahme betrifft auch Kranke und Behinderte. Die Verbitterung unter den Haus- und Wohnungsbesitzern nimmt täglich zu. «Hier entsteht das nächste grosse Konfliktpotential» verweisen Experten und versprechen wieder einen heissen Frühling und Sommer in Griechenland. …

Quelle: Vertraulicher Schweizer Brief Nr. 1349 vom 12.2.2013