Wie Staaten ihre Währungssouveränität zurückgewinnen

von Francis Gut

Russlands Wirtschaftslage ist verwirrend. Die westlichen Medien zeichnen ein düsteres Bild von ihr, wobei sie sich auf alarmierende Zahlen stützen können. Der Preis für das Erdöl, eine der Hauptressourcen Russ­lands, sank von rund 110 US-Dollar pro Barrel Ende 2013 auf etwa 60 US-Dollar Ende 2014, und dies hat sich im Rubelpreis drastisch niedergeschlagen. In derselben Zeit gewann der Dollarkurs um etwa 95% gegenüber dem Rubel. Quellen ausserhalb der westlichen Medien kommen jedoch zu einer viel optimistischeren Analyse. Insbesondere ein Artikel von Dmitry Kalinichenko, der am 26. Dezember auf Global Research erschien, soll in seinen wesentlichen Gedanken hier diskutiert werden.1
Putin verkauft Erdöl und Gas letztlich  nur noch im Tausch gegen physisches Gold. Wenn er US-Dollar als Zahlungsmittel annimmt, tauscht er sie sofort gegen physisches Gold. Darüber hinaus ist zu beobachten, dass im 3. Quartal 2014 die Nettogoldkäufe der Zentralbanken zum 15. Mal hintereinander anstiegen. Von dem Gesamtbetrag in der Höhe von 93 Tonnen im 3. Quartal hat allein Russland 55 Tonnen gekauft. Damit beginnt sich das internationale Währungssystem zu verändern.
Der Petro-Dollar, der vor allem aus dem Erdölverkauf aus Saudi-Arabien entstanden ist und bisher als Währungsreserve gegolten hat, ist nicht mehr so lebenswichtig. Der Westen ist aber nicht nur vom Erdöl aus Saudi-Arabien, sondern auch von den Energielieferungen Russlands abhängig. Und die finden letztlich nur noch gegen Zahlungen in physischem Gold statt. Ausserdem hat sich Russ­land bereit erklärt, notfalls seine Importgüter mit Goldreserven zu zahlen.
1971 hat Präsident Richard Nixon das «Goldfenster» zugemacht. Als nämlich de Gaulle 1971 die Dollars, die sich in der Banque de France angehäuft hatten, in Fort Knox gegen Gold eintauschen wollte – wozu sich die USA im Bretton-Woods-Abkommen 1944 verpflichtet hatten –, erlebte er eine Abfuhr.
2014 eröffnet Putin das «Goldfenster»   wieder. Der Westen setzt nun alle möglichen Mittel ein, um den Kurs des Erdöls, des Erdgases und des Goldes nach unten zu drücken.
Putins Strategie ist wahrscheinlich auf Dr. Sergey Glazyev, seinen Wirtschaftsberater, zurückzuführen, vermutet Dmitry Kalinichenko, was erklären würde, warum Glazyev auf der Liste derjenigen Russen zu finden ist, die der Westen mit Sanktionen belegt hat.
Ein anderes Ereignis wurde noch nicht genügend ausgewertet: China hat beschlossen, seine in US-Dollar lautenden Währungsreserven nicht mehr zu erhöhen. China wird selbstverständlich weiterhin US-Dollar als Zahlungsmittel akzeptieren, will sie aber sofort gegen andere Werte – gemeint ist vor allem Gold – eintauschen.
Darüber hinaus sind die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), angeführt von Russland und China, auch dabei, die Rolle des US-Dollars im internationalen Währungssystem zu verändern. Der Dollar, die Währung der Vereinigten Staaten, verliert somit seine Funktion als definitives Zahlungsmittel, um ein provisorisches Zahlungsmittel in einer Zwischenphase zu werden, das letztlich durch das Gold ersetzt wird.
Das Zukunftsszenario sieht also so aus: Russ­land kauft China Waren gegen Gold zu laufendem Preis ab, während China in Russ­land Energieprodukte gegen Gold zu laufendem Preis kauft. In diesem Handel fehlt der US-Dollar; er verschwindet von der Bühne.
Hervorgehoben sei, dass der Weltmarkt für physisches Gold sehr klein ist im Vergleich zum Weltmarkt für Energieprodukte und äusserst klein gegenüber den Weltmärkten für alle Waren. Es ist tausendmal mehr Papiergold als physisches Gold im Umlauf.
Erwähnt wird hier das «physische Gold», weil der Verkauf von «physischen Energieprodukten» Russland ermöglicht, «physisches Gold» vom Markt abzuziehen. In seinem Bereich handelt China ähnlich. Das Problem des Westens ist, dass seine Goldbestände nicht unbeschränkt sind.
Um dennoch die Rolle des US-Dollars als Währungsreserve aufrechtzuerhalten, hat Washington bisher zwei Methoden angewendet: jene der «farbigen» Revolutionen und, als Ersatz, einen militärischen Angriff. Nachdem sich Navalny, den Washington als Putins Herausforderer unterstützt hatte, durch seine Beziehung zu Senator McCain vor der russischen Bevölkerung völlig diskreditiert hat, fehlt zurzeit ein Führer der farbigen Revolution. Und für einen militärischen Angriff ist zu bedenken, dass Russland weder Afghanistan noch Irak ist, sondern ein atomar bewaffnetes Land.
Und dennoch stellen sich vor diesem Hintergrund für uns mehrere Fragen:
•    Wer wird der Nachfolger von Navalny sein?
•    Wird in Deutschland etwas Ernsthaftes gegen die Grossmachtgelüste von Generälen wie Lothar Domröse unternommen?2
•    Wie ist der Ukraine-Krieg vor diesem Hintergrund zu beurteilen?                             •

1    Dmitry Kalinichenko: Grandmaster Putin's Trap: Russia is Selling Oil and Gas in Exchange for Physical Gold. Global Research, 26.12.2014. http://www.globalresearch.ca/latest-news-and-top-stories
2    vgl.: Christoph B. Schiltz: Nato plant Elitetruppe gegen Bedrohung aus dem Osten. In: Die Welt vom 7. 11. 2014. http://www.welt.de/politik/ausland/article134072231/Nato-plant-Elitetruppe-gegen-Bedrohung-aus-Osten.html .

Mehr Goldreserven für die Schweizerische Nationalbank

thk. Wirtschaftsprofessor Peter Bernholz schreibt am 31. Dezember in seinem Artikel in der «Neuen Zürcher Zeitung», dass die «gegenwärtige Zusammensetzung» der SNB-Vermögensreserven «mit 508 Milliarden Franken ausserordentlich» hoch und nicht optimal seien. Aus seiner Sicht wäre «angesichts des niedrigen Goldpreises» eine Erhöhung der darin enthaltenen Goldreserven von nur 7,7 Prozent «wünschenswert». Das Argument, dass Goldreserven keinen Zinsertrag brächten, lässt er nominal gelten. Denn während der Dollar seit 1971 von einem Kurs von 4,11 Franken auf 0,97 Franken gesunken sei, habe das Gold im gleichen Zeitraum einen jährlichen Anstieg von 4,3% zu verzeichnen. Der grösste Teil der Nationalbankreserven sind bedauerlicherweise Dollar und Euro.