War de Gaulle der internationalen Hochfinanz im Wege?

ts. Charles de Gaulle lebte von 1890 bis 1970. Im Zweiten Weltkrieg hatte er den Widerstand der Bewegung «Freies ­Frankreich» gegen die deutsche Besatzung angeführt, von 1944 bis 1946 bekleidete er das Amt des Chefs der provisorischen Regierung. Er begründete später die Fünfte Republik, als deren Präsident er von 1959 bis 1969 waltete. Fortan beschritt er den Weg der «nationalen Unabhängigkeit» Frankreichs («l’indépendance nationale»); die Dominanz der USA und der ­Sowjetunion in der Uno lehnte er ab und arbeitete an der Loslösung Frankreichs von der amerikanischen Bevormundung.
Sein Ziel für das Nachkriegseuropa war entgegen den Plänen des US-Agenten Monnet kein europäischer Zentralstaat nach US-Gnaden, sondern ein «Europa der Vaterländer». So suchte er mit Deutschland eine Aussöhnung, welche mit dem Deutsch-Französischen Jugendwerk, zahlreichen Begegnungen und dem Élysée-Vertrag vom 22. Januar 1963 besiegelt wurde. Zu diesem Europa der Vaterländer zählte er aber auch die Staaten hinter dem Eisernen Vorhang, also die DDR, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien und Bulgarien und stellte sich damit gegen die Ideologie der kalten Krieger hüben wie drüben.
Nebst dieser Sicht jenseits des Blockdenkens machten ihm folgende weiteren Schritte die neu entstehende Kriegsallianz USA-GB-Israel wenn nicht gerade zu offenen Feinden, so doch zu Gegnern:
Den Vietnam-Krieg der USA verurteilte er scharf und forderte die westliche Supermacht auf, ihre Truppen abzuziehen.
Auch Israel verschonte er nicht mit Kritik, insbesondere für dessen Besetzung des Gaza-Streifens und des Westjordanlands. So verhängte er ein Waffenembargo gegen Israel und näherte sich der arabischen Welt, insbesondere Ägypten, aber auch Syrien und Libanon an.
Des weiteren muss seine Distanzierung von der Nato genannt werden. So erklärte de Gaulle am 21. Februar 1966 in einer Fernsehansprache, dass Frankreich nach Ablauf der Gültigkeitsdauer des Nato-Vertrages die Unterstellung sämtlicher ausländischer militärischer Einrichtungen in Frankreich unter seinen Oberbefehl fordere. Nach einem Besuch in der Sowjetunion und da die Nato-Partner nicht auf de Gaulles Forderungen eingingen, zog er am 1. Juli 1966 die französischen Offiziere aus den integrierten Stäben ab; das Nato-Hauptquartier sowie die politische Nato-Spitze wurde daraufhin von Paris nach Belgien verlegt.
Neben der Abkehr von der Nato machte de Gaulle aber auch in anderer Hinsicht klar, dass er nicht gewillt war, sich von den USA abhängig zu machen. So kündigte er im Februar 1965 an, die Währungsreserven in US-Dollar im Rahmen des Bretton-Woods-Systems in Gold umzutauschen:1 Frankreich erhöhte bis zum Sommer 1966 den Goldanteil seiner Reserven auf 86 Prozent. Andere Länder taten es ihm gleich. Doch de Gaulle tat etwas Unerhörtes: Er bestand darauf, dass die Goldbarren nach Frankreich transportiert wurden, um sie einem allfälligen Zugriff der FED, der US-Notenbank, in deren Tresorräumen die Goldreserven auch anderer Länder lagerten, zu entziehen. Ein Vorgang, der auch heute wieder rege diskutiert wird, fürchten doch viele Länder, dass bei einem Crash der USA ihr sauer verdientes Geld, welches in Form von Gold noch immer in den USA lagert, mit einem Schlag weg sein könnte.

«Mai 1968» in Paris – von langer Hand inszenierter Putschversuch?

Abkehr von der US-dominierten Nato, Kritik an der Politik Israels, Rückschaffung des Goldes aus den Tresoren der FED: Gründe genug für diverse Akteure, de Gaulle wegzuputschen?
Der Angriff kam aber, vordergründig betrachtet, von der anderen, der linken Seite: «Mai 1968» hatte das Ziel, de Gaulle zu stürzen, so die Aufrufe der Studenten, ein Versuch, welcher kläglich misslang, weil erstens am 30. Mai 1968 zwischen 300 000 und einer Million Teilnehmern sich in einer grossen Kundgebung gegen die linken Studenten wandten, und zweitens das Volk in den Wahlen vom Juni 1968 den Gaullisten im Parlament 358 von 487 Sitzen zusprach.
Im Mai 68 hatte die Kommunistische Partei Frankreichs, die KPF, Gewehr bei Fuss gestanden. Weil sie nicht an vorderster Front aktiv sein konnte, wie die Geschichtsbücher uns weismachen wollen? Oder weil sie hinter den Aktionen der Studenten einen anderen Geruch wahrnahm? Den einer inszenierten Aktion? Herbert Marcuses Aktivitäten für den OSS, Vorläufer der CIA in den USA während des Zweiten Weltkrieges, waren hinlänglich bekannt, und Marcuse war einer der geistigen Vordenker der Revolte von 1968 in ganz Europa. Roch dies nach «Gladio» oder einer ähnlichen Aktion?
Wie stand es mit den Verbindungen, Verpflichtungen und Hintergründen einzelner Akteure von 1968? Die Hochfinanz und ihre diversen Agenturen der Länder der auch heute noch aktiven westlichen Kriegsallianz hätten wohl genügend Gründe und wohl auch die Mittel gehabt, hier Aktivitäten zu entfalten.
Vielleicht gibt ja Wikileaks auch hier einmal Einblick. Oder wenn eine der grossen Agenturen ihre nächsten Kronjuwelen ins Netz stellt. Oder ein Ex-Agentur-Chef die Aktivitäten der Politiker nicht mehr aushält und in der Öffentlichkeit Klartext spricht.
Dass de Gaulle bis heute in den Medien vor allem geschmäht und als rückständig gebrandmarkt wird, spricht Bände und bestätigt eher die These, dass sein Ansatz eines Europas der Vaterländer einigen Drahtziehern im Westen nicht ins Konzept passte und passt und bis heute verunglimpft werden muss. Ein Ansatz, der sich wohltuend vom Brüsseler Zentralismus unterscheidet und der heutigen Befindlichkeit der Bürger der europäischen Staaten und ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung viel mehr entspricht – den Zugriff von Übersee aber verunmöglichen würde.

1     Der Vorgang ist nachzulesen z.B. in der deutschen Wochenzeitung «Die Zeit» vom 2.9.1966: «Die Zeit», 2.9.1966 Nr. 36. www.zeit.de/1966/36/besiegt-de-gaulle-den-dollar/komplettansicht