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Zeit-Fragen  >  2012  >  Nr.14|15 vom 3.4.2012  >  Deutschland war das Land der Dichter und Denker [Druckversion]

Deutschland war das Land der Dichter und Denker

Deutschland war das Land der Dichter und Denker, und in der modernen arbeitsteiligen Welt kann unsere Volkswirtschaft nur bestehen, wenn sie sich auch in Zukunft als technologisch-wissenschaftlicher Vorreiter behauptet. Dazu braucht es motivierte und gut ausgebildete Menschen. Doch die werden gerade in Deutschland zu einer «Mangelware».  
Über Generationen galt hierzulande ein Intelligenz-Quotient (IQ) von 100 als Durchschnitt. Wer Abitur machen wollte, sollte über einen IQ von mindestens 115 verfügen, und für ein Hochschulstudium sollte dieser Wert im Schnitt bei 120 liegen. Vor einem halben Jahrhundert war es deshalb nicht nur für einen Abiturienten, sondern auch einen Real- und die meisten Hauptschüler selbstverständlich, einigermassen gut lesen, schreiben und rechnen zu können.
Doch das ist lange vorbei. Inzwischen haben praktisch alle Bundesländer (einschliesslich Bayern!) die Abitur-Anforderungen gesenkt, damit – politisch korrekt – ein möglichst hoher Jahrgangsanteil die «Allgemeine Hochschulreife» erlangt. Die Universitäten kämpfen jetzt mit Studenten, die zum Teil kaum mehr in der Lage sind, drei oder vier Sätze zu Papier zu bringen oder vergleichsweise einfache Rechenaufgaben ohne Hilfsmittel zu lösen!
Ähnlich katastrophal sieht die Lage für die sogenannten Ausbildungsberufe aus. Kürzlich beklagte z.B. die Deutsche Handwerkszeitung, dass ein Viertel aller Schüler an allgemeinbildenden Schulen die Lehranstalten verlässt, ohne eine hinreichende Ausbildungsreife erlangt zu haben. Grosse Unternehmen, die es sich leisten können, sieben ihre Ausbildungsbewerber aus mit der Folge, dass z.B. der Energiekonzern Vattenfall im Schnitt nur noch 5 von 150 Bewerbern in die engere Wahl nimmt. Kleinere Betriebe und Handwerker können sich dies nicht leisten mit der Folge, dass immer mehr von ihnen gezwungenermassen auf die Einstellung Auszubildender verzichten müssen. «Hat man einmal Glück mit einem guten Auszubildenden, verlässt dieser meistens kurz nach dem Ende der Ausbildung den Lehrbetrieb, um weitere Ausbildungsschritte anzugehen. Und den Rest kann man vergessen», fasste kürzlich ein bodenständiger Elektromeister das nicht nur in seiner Branche grassierende Nachfolgeproblem zusammen.
Inzwischen leben nach Angaben der Bundesregierung rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland, die höchstens ihren Namen lesen und schreiben können und die in Fachkreisen als «funktionale Analphabeten» bezeichnet werden. Dennoch haben 48% von ihnen einen Hauptschulabschluss und gar 19% die Mittlere Reife! Diese erstaunlichen «Bildungserfolge» sind vielleicht auch ein Erfordernis der «politischen Korrektheit», denn nach ebenfalls offiziellen Angaben sind 3,1 Millionen dieser funktionalen Analphabeten Menschen mit «Migrationshintergrund».
Gleichzeitig haben die Einrichtungen für Hochbegabte zunehmend Probleme, ihre Hörsäle zu füllen. Auch hier hilft man inzwischen mit einer Herabsetzung der Mindestanforderungen nach. Galt noch vor wenigen Jahren als hochbegabt, wer einen IQ von mindestens 129 erreicht, wurde bei den meisten Tests diese Grenze inzwischen stillschweigend auf 124 gesenkt. Als möglicherweise hochbegabt kann damit heute bereits gelten, wer vor fünfzig Jahren in der Lage gewesen sein sollte, ein Studium (aber auch nicht mehr!) passabel zu absolvieren!
Natürlich, es gibt sie noch: Intelligente, geistig bewegliche und hoch motivierte junge Menschen, die auch beruflich ihren Weg gehen werden. Doch – und das ist das Tragische – es sind oft genau diese Menschen, die offen über den Gedanken sprechen, ihr Heimatland eventuell für immer zu verlassen. «Je erfolgreicher junge Akademiker ihr Studium absolvieren, desto fester planen sie, die Bundesrepublik zu verlassen», heisst es dazu in einer Studie. Die möglichen Folgen kann man schon heute am Beispiel Argentiniens studieren. Dort verliessen nach dem Staatsbankrott im Jahr 2002 bis zu 40% der Akademiker ihr Land. Sie fehlten beim anschliessenden «Wiederaufbau» und Argentinien hat sich von diesem Aderlass bis heute nicht erholt.
Auch im Land der Dichter und Denker droht das «Denken» zu einer seltenen «Erscheinung» zu werden. Die Folgen werden dramatisch sein!     •

Quelle: Vertrauliche Mitteilungen, Nr. 3972 vom 27.3.2012